Ye Banished Privateers - First Night Back in Port 18.07.2017 - von Simi Dörig

Viele Köche verderben den Brei, doch zum Glück sind wir nicht in der Küche sondern auf dem Kahn von Ye Banished Privateers und feiern die erste Nacht zurück im Hafen!

First Bight Back in Port

Nicht weniger als 21 Matrosen segeln bei den Ye Banished Privateers mit, doch solch eine geballte Ladung „piratisierung“ braucht auch eine ganze Crew, selten hat so eine Band eine Stimmung passender zu ihrem Metier auf die Bühne gebracht.
Passt es zum Lied das die halbe Crew gemeuchelt wird, alle an einer Seuche dahin siechen oder der Zwischensänger per Flasche niedergeschlagen wird?
Kein Problem das wird inszeniert und wenn gerade keine Bühne zur Verfügung steht wird um den Tresen oder die Bänke diverser Tavernen fröhlich, trunken musiziert und die Stimmung direkt aus einem alten Piratennest des 17. Jahrhunderts importiert!
Doch vor lauter Live Erlebnis Schwärmerei mal die Fakten zu der Band:

Die Privateers kommen aus Schweden und wurden 2008 gegründet, alle 21 Crewmitglieder dieser Pirate/Folk Band aufzuzählen würde hier zu lange gehen, dafür haben sie eine schöne Auflistung auf ihrer Homepage wo auch gleich steht was für teilweise seltene Instrumente sie mit an Bord haben, wie z.B. Gitalele, Banjo oder Percussion die ihre Lieder schön mit den „normaleren“ Instrumenten wie Akkordeon, Geige oder Gitarre abrunden.

Wichtig vom Gesang her sind vor allem Magda Malvina Märlprim als Sängerin siehe Annabel, Björn "Bellows" Malmros sowie Blackpowder Pete, auf dessen Bart ich immer noch verdammt neidisch bin!
Ich kenne hierbei vor allem die Aufstellung die sie im Süden haben, da meist nur ca. 12 der Bande soweit Reisen können und dieses Jahr war ich schon froh sie wenigstens einmal in Nähe von Nürnberg auf dem Feuertanz Festival sehen zu können!
Mit ein wenig Glück spielen sie ja vielleicht nächstes Jahr wieder auf dem MPS in Weil am Rhein, wo ich sie 2015 unter den Sonnensegeln einer Taverne für mich entdeckt habe, da durch eine Hitzewelle sowohl die Pulveraffen wie auch Privateers Abwechselnd sowie miteinander unplugged auf den Tischen und Bänken gespielt haben und es einfach nur eine der lebendigsten Konzerte waren, die ich je mittendrinn erleben durfte.

Mit First Night Back in Port segelt also ihr drittes Studio Album in die weite Welt hinaus, seit neuem unter der Flagge von Napalm Records was man vor allem an den neuen, super gemachten Musikvideos merkt, da sie für die ersten zwei Alben genau ein Video in eigen Produktion gedreht haben.
Auch das ganze Design des Booklets ist schön in Szene gesetzt, Seite für Seite gefüllt mit Zeitungsberichten, Liebesbriefen, Schriftstücken und Notizzetteln, auf denen die passenden Lyrics der Songs vermerkt sind:

1. Annabel (Haul away to Georgia)
Schwer mit Wellen und Trommeln beginnt diese tragische Ballade über Annabel, es läuft einem bei diesem Lied wirklich kalt den Rücken hinab.
Gleich zu Beginn eine Ballade über eine Frau die auf ihrem Weg nach Georgia tragisch stirbt ist zwar sehr gewagt, leitet aber das Album sehr schön ein.


2. A night at the Schwarzer Kater
Ein ganz normaler Morgen nach einer Saufnacht bei Ye Banished am MPS, die meist in der nahen Piraten Taverne „Schwarzer Kater“ endet, auch wenn sie da ab und zu unplugged spielen und mich Blackpowder Pet_e schon von der Sitzbank geschmissen hat, der darf das, hab seine Bartlänge immer noch nicht eingeholt! Das ganze Lied klingt einfach wie sich ein Morgen nach einem guten MPS Samstag anfühlt: Wo zur Hölle bin ich, wer bist du, wo sind meine Leute und wer ist dieser bärtige Mönch? Achja?! Stimmt _Bruder Rectus Halleluja. Sänger Pete geht hier sehr schon in dem Lied auf und man kann sich seinen leidlichen Morgen bildlich vorstellen.

3. First Night Back in Port
Das Titellied des Albums und erschienen in einem 360° Musikvideo geht es direkt über vom letzten Song und lässt das Album sic wie einen nahtlosen Abend in ner Piratenspelunke anfühlen.
Diesmal wird aus dem Gejohle richtig Gas gegeben, mit der Geige und Trommel einen schnellen Rhythmus eingeschlagen, doch schaut euch das ganze doch direkt hier an!
(360° Video, ans umschauen per Maustaste denken und nicht zu schnell Jacqueline, sonst kotzt du wieder alles voll)


4. All the Way to Gallway
Wieder schöner Übergang vom letzten Lied, diesmal eine Abwechslung aus schnellen Strophen und melodischem Refrain.

5. Cooper's Rum
Ein Ode an Cooper’s Rum, gleich wieder an Gallway angeschlossen fängt es so an:

He ri do rum dum, hey ri do more rum
Oh I’ve never had a spirit like the cooper’s rum


Fröhliches Lied über ihr augenscheinliches Lieblingsgetränk inkl. kleinem Toast an die Queen, hierbei ist anzumerken dass der einsame, englische Patriot im Song, sowie Live auf der Bühne eine Flasche auf dem Schädel zertrümmert bekommt, GOD SHAVE THE QUEEN!

6. Skippy Aye Yo
Fertig ist es mit der Tavernen Stimmung, traurig und ohne Zurufe beginnt dieser Song langsam, schleppt sich fast 4min lang hin und handelt von ihrer kläglichen/ekligen (wretched) Crew die schon so einige Mitglieder vergrault hat, trotzdem baut der Song Stimmung auf, vor allem im wiederkehrenden Refrain.

Avast, Avast, belay belay. Skippy aye skippy aye yo


7. I dream of you
Fröhlicher geht es jetzt weiter, wenn auch mit einem Wehmutstopfen:
Das Lied handelt von einem Mann der genug von der Queen hat und ins angepriesene, neue Land Amerika aufbrechen will, doch seine Familie dabei zurück lassen muss.
Während die Strophen von Aufbruchsstimmung, Spott für England und Hoffnung strotzen, sind seine Gedanken im Refrain ruhiger, wehmütiger und bei seiner Liebsten und den Kindern.
Typisch Napalm Records gab es ein tolles Lyric Video dazu:


8. A declaration of Indipendence
Ein Revolutionslied, schön Gesungen gegen die Herrschaft und Tyrannei Englands, zwar kein Highlight auf dem Album aber auch kein schlechtes Lied.

9. For a fragile moment's ease
Noch ein eher trauriges Lied, fängt ein wenig langsam an aber nimmt dann stetig an Fahrt an, handelt dabei um die Geschichte eines Matrosen der einiges angestellt hat aber letzten Endes das Seefahrerleben für Frau und Kinder aufgibt.

10. We are Ye Banished Privateers

My Name is Charles and I am your King
an‘ my royal arse on your shup you shall bring!

Eines der Highlights des Albums, musste auch genug lange warten den Song endlich auf Silberling zu haben!
Genau geht es um „Charlie“ der behauptet ihr König zu sein und mit ihnen segeln zu wolle, wird zwar verspottet doch da sie noch einen Mann auf dem Schiff brauchen kurzerhand mitgenommen… und stellt sich als kompletter, seekranker Jammer/Waschlappen heraus.
Doch nach ein paar Jahren hat er sich gemacht und ist erster Mat geworden bis ein Brief von England kam, der „Schlingel“ war wirklich ein König und kehre im Frühling aus seinem Exil zurück.
Zum Abschluss erfahren wir noch warum die Band Ye „Banished“ Privateers heisst, denn er gab ihnen zwar seinen Segen und Gold, aber mahnte sie auch:

But back home ti England you cannot return
For you are the scum of the earth I have learned!

Geiler Song und gut gemachtes Video zu ihren 10‘000 FB Likes, in dem man noch so manches bekannte Gesicht unter den Privateer Fans erblickt!


11. Bosun's Verses
Wer hier Bonsun ist weiss ich nicht, doch der Typ kann einem nur leidtun, er hat ein wahrliches Piratenleben geführt!
Von Strophe von Strophe verliert er Beine, ein Auge, wird durchlöchert und seine Hand abgebissen, gutes Lied inkl. Mitsingteil und eine Menge Spass wenn man genau auf den Text hört.

12. Eastindiamen
Ein Lied über die Gefahren der See, zwar eher heiter anzuhören geht es Textlich um mehrere Schiffe die gesunkn sind und immer Hunderte Matrosen mit sich gerissen haben.

13. Devil's Bellows
Das längste Stück des Albums mit fast 9 Minuten und genug Text um zwei Seiten im Bookelt zu füllen, man muss sich wirklich bemühen bei diesem Lied textlich mit zu kommen aber es lohnt sich:
Kurz zusammen gefasst klingt das ganze ziemlich witzig, ist es auch wenn man so nen kranken Humor hat wie ich denn Björn Bellows wird in einer betrunkenen Winternacht ausgeraubt und verliert so sein Akkordeon, dass sein Pa ihm aus dem Orient gebracht hat.
Doch nachts sitzt Satan persönlich an seinem Fenster und verspricht ihm für nur 100 Seelen eine neue zu besorgen, gemacht aus dem feinsten Materialien und so beginnt eine 3 Monate dauernde Mordserie.
Hier wird wirklich alles was auf dem MPS und der Piratenszene Namen hat in aller blutigster Manier zu Davy Jones geschickt, Pulveraffen, Bruder Rectus, Vroudenspil… eine schaurige Horrorgeschic
hte nach meinem Geschmack!

14. Ringaroo at Cooper's Inn
Gegen den Schluss gibt’s noch einen kleinen (ab)stecher in Cooper’s Inn, genauer gesagt einem Bordell.
Zuerst mal ein langsam, eher düster und mystisch mit teilweise Baby Geschrei im Hintergrund, wird nach 1 1/2min wird es lauter und schneller, inkl. kleinem Liebesspiel Part alles sehr… anzüglich in Szene gesetzt!

Ringaroo, fuckaroo… cocks nad cunts and fuck you too!


15. Mermaids kiss
Zum Abschied noch einmal was zum Träumen und eine Träne verdrücken.
Die tragische Geschichte eines Paares in einem wunderschönen Duett verpackt, der Mann der zuhause bleibt und das Feld bestellt, sowie die Frau die zur See fährt und nur kurz bleiben kann.
Keine Zeit für ein Mahl, eine Nacht oder ihren Sohn den sie nie wirklich kennen gelernt hat.
Langsame Melodie, trauriger Text, ich heul gleich RUM…

Das Lied selbst hat nur ca. 4min, danach geht es langsam in Wellenrauschen unter und bei 14min folgt der Bonus Track „The Parting Glass“ das einige noch aus dem Ende von Assassins Creed Black Flag kennen sollten und von den Privateers besser vorgetragen wird als in anderen Versionen!
Ein wirklich schöner Abschluss für ein gelungenes Album!

FAZIT:
Selten fühlt man sich von einem Album so in eine Thematik reingezogen wie bei Ye Banished Privateers, die in Szene Setzung, die Abwechslung zwischen Balladen, Feierlichkeiten, Schabernack, unverblümte Sprachweise, sowie bestimmt nicht jugendfreie Geschichten lassen einen 76min lang in ihre Version den goldenen Piratenzeitalters eintauchen und wenn man die Augen schliesst, fast nicht mehr davon auftauchen.
Noch mehr Piratenfeeling geht wirklich nur noch bei einer ihren unvergesslichen Live Shows, welche ich euch wirklich ans Herz legen will und da ich die letzten Jahre selten einen Silberling gehört habe, der so erreicht was er will gibt es 10/10 Fässern Cooper’s Rum!

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