Welicoruss im Bokle Radolfzell am 27.1.18 28.01.2018 - von Simi Dörig

Der sibirische Wind wehte diesen Januar am Bodensee entlang, zusammen mit zwei Supportern traten Welicoruss auf ihrer Az Esm Tour auf!

Zugegeben war die Idee für das Konzert ziemlich spontan, da ich erst ein paar Tage vorher von einer Kollegin eingeladen wurde mit zu kommen. Radolfzell ist von mir aus auch nur kurz 40min über die Grenze fahren, was mir eher Sorgen bereitet hatte war dass 72h alte Tattoo auf meinem Rücken, aber ich war ja noch nie für meine Vernunft bekannt!

Also an einem eher warmen Winterabend (5°C) aufgemacht, um nach einem Jahr wiedermal Welicoruss zu sehen, die beiden Vorbands Scarcrow und Prophet of Pain waren mir dagegen nur vom Hörensagen her bekannt.
Da mein Navi mithilfe der Google Adresse eine Kreuzung als Ziel erkoren hatte, durfte ich noch eine kleine Irrfahrt hinlegen bis ich das eher versteckte Bokle dann gefunden habe.

Der Eintritt war mit 10€ gerechtfertigt und das Lokal innen drin ziemlich gemütlich gestaltet, mit genug Platz und zwei Kickertischen um sich die Zeit bis zum ersten Auftritt zu vertreiben.
Lange musste ich nicht warte bis die Türen zum Nebenraum bzw. der Bühne sich öffneten, kam ja auch ein wenig später an, da sich Vorglühen als Fahrer nicht wirklich lohnt und so spielte um 21Uhr die erste Band auf!

Scarcrow (Narbenkrähe, nicht zu verwechseln mit Scarecrow aus NY) aus Donaueschingen machten mit ihrem HardRock/Metal Mix den lokalen Opener.
Mit ihren eher düsteren und melodischen Stücken erinnern sie an einer härtere Version von Alice Cooper, was noch davon unterstrichen wird, dass der Sänger aussieht als hätte sich eben jener ne intimere Nacht mit Negan aus TWD geleistet. Die auf der Bühne mitgeführte Peitsche sowie Nachbildung von Lucille, machen die Paarungsszenen in meinem Kopf gerade nicht viel besser.
So begann der Konzertabend zwar ein wenig „weicher“ als erwartet, lieferte aber trotzdem eine gute Stimmung. Hörproben gibt’s nebenbei auf ihrer Webseite!

Weiter ging es mit Prophet of Pain, die mit ihrem Death-Black Metal schon mal härtere Töne anschlugen.
Die 4 Jungs und das Mädel sind für dieses Gig extra aus der Gegen von München angereist, wenn auch mit Ersatzmann an der Lead Gitarre was man aber nur zwischen den Songs kurz raushörte und immer gerne vom Sänger kommentiert wurde.
Die noch eher junge Formation brachte an diesem Abend 7 Songs (hab die Setlist geklaut) mit, die sich Abwechselnd immer ein wenig mehr in Richtung Death oder Black Metal lehnten.
So waren die ersten Lieder der Band mehr von Growl Elementen und schnellen Gitarrenriffs geprägt, was sich dann aber bei The Journey dann Schlagartig zu einem reinen Instrumentalstück gewandelt hat.
Dieses wurde dann gegen Ende ein wenig härter und schneller, lässt sich aber definitiv in den Black Bereich einordnen, dessen Einfluss dann bei ihrem letzten Lied God is Satan, endgültig raus zu hören war.
Ein Album kann die Band bis jetzt noch nicht vorweisen, Arbeiten aber auf eine Produktion hin und ich darf mal auf das Ergebnis gespannt sein.

Als Headliner traten dann Welicoruss auf und spätestens jetzt merkt man das im kalten Sibirien nicht nur Putin’s Gegner*, sondern auch eine verdammt geile Symphonic-Black-Metal Band sitzen!
Mit ihrem noch aktuellen Album Az Esm gelang der, in Russland schon ziemlich bekannten Band, dann 2015 ihr Durchbruch mit einer weitläufigen, fast 1 ½ Jährigen Europa Tour, bei denen ich sie Anfang 2016 auch an einem ihrer 4 Schweizer Gig’s das erste Mal gesehen hatte.

Wie erwartet ging es sofort von 0 auf 100 und obwohl man kein einziges russisches Wort verstand, riss einem die Musik und das Auftreten der Band 2 Songs lang mit, bis der Bass keine Lust mehr gehabt hatte und ausgestiegen war.
Nach einer kleinen Pause ging es aber Atmosphärisch weiter, der Raum füllte sich immer mehr mit den Gästen und es wurde langsam immer wärmer, sodass der Sänger bald mal sein Fell ausziehen musste.
Trotz den mittlerweile nicht mehr wirklich winterlichen Temperaturen im Raum, liessen die Melodien der Band zusammen mit dem Lichtspiel und ihren Outfits manch einen Schauer über den Rücken laufen, wenn man nicht gerade mit Headbangen beschäftigt war, was mir mein frisch zerstochener Nacken dann endgültig übel genommen hat.

So ging es dann nach dem Konzert noch zu einem kleinen Plausch an den Merch Stand, das Album Az Esm endlich mal eingesackt, gegen 1Uhr Nachts von einem lohnenden Konzert langsam zum Auto und mit einem zufriedenen Gefühl Richtung Grenze bzw. dem Bett zuhause!


* den Witz darf ich mir als neutraler Schweizer erlauben