Vogelfrey - In Ekstase 09.10.2017 - von Simi Dörig

Nach dem maritimen Abenteuer Sturm und Klang geben sich Vogelfrey in ihrem vierten Album dem Rausch und der Ekstase hin.

Album Cover

Vogelfrey sind schon lange kein kleiner Name mehr, auch wenn sie hier im Süden noch eher als Geheimtipp gelten da sie sich so selten Richtung Schweiz verirren, spielen die Hamburger im hohen Norden öfters auf grossen Touren, dem Wacken oder´haben seit 2015 mit dem Sturm und Klang ihr eigenes, kleines Indoor-Festival.

Der Sound dieser 6 Vaganten kann in die Folkrock sparte gezählt werden, auch wenn die Metal Einflüsse sehr gut heraus hörbar sind und zu einigen härteren Liedern geführt haben die ohne Probleme mit Amon Amarth mithalten können.
Neben den typischen Instrumenten wie E-Gitarre, Schlagzeug und E-Bass haben das Cello sowie die Violine eine tragende Rolle in der Musik, welche sich von der Bandgründung 2004 bis zum heutigen Tag ihren Platz auf jedem Song sichern konnten.

Ihr wortwörtliches Wiegenfest brachte die Band punkt Halloween 2010 unter Trollzorn Records auf den Markt, wobei das Erstlingswerk der band alles andere als brav röm. Katholisch war.
Lieder über das Heidentum, leckeres Feenfleisch und manch anderes wurden steht’s düster und mit viel schwarzem Humor besungen oder auch mal eine todernsten Ballade vorgetragen.
Die Seitenhiebe auf die Kirche sind zu meine Beglückung steht‘s kräftig mit einer schweren Axt geführt worden, was ihnen somit 2012 die Zwölf Schritte zum Strick beschert hat in dem die Vogelfreye Ketzerey gipfelte,
Bemerkenswert hierbei sit dass schon allein Songs aus diesen zwei Alben es auf 11 Compilations geschafft haben, die Liste dazu gibt´s auf Wikipedia.

Ein wenig weg vom Vaganten- zum Seemannsleben gab es dann Ende 2015 mit Sturm und Klang, meinen Hellvetia Review dazu findet ihr im Link.

Nun im Jahre des HeRRn 2017 (für die Priester Stimme das R bitte fast schon schreien) erschien am 29. Sept mit In Ekstase das vierte Album der Band, in dem sie sich mit verschiedenen Räuschen und eher nebligen Geisteszuständen beschäftigen, was sich schon im paradoxen Albumcover mit Smiley Krieger wiederspiegelt, obwohl es auch eine Anspielung auf Watchmen sein könnte.

1. Krystal Met
Nein nicht bei Heisenberg, sondern direkt im hauseigenen Vogelfrey Alchemiezimmer ist dieses Wortspiel zwischen Methamphetamin und Honigwein entstanden.
Die erste Single Auskopplung inkl. Musikvideo ist vor allem mit der Geschäftsmann Aufmachung des Sängers erschreckend, doch habe ich noch nie eine so unterhaltsame Werbesendung gesehen.
Ein typisches Trinklied von Vogelfrey, quasi die Vorgeschichte zu Schuld ist nur der Met.
PS: Bei EMP gab es ein Special Bundle inkl. Crystal Met Flasche!


2. Mittelalter Rockstar
Das zweite Musikvideo des Albums mit Dieter Bohlen like Gastauftritt von Hauptmann Feuerschwanz.
Nach Teleshopping wird also DSDS mit MARS auf die Schippe genommen und das gleich mit so gut wie allen Mittelalter Markt Vorurteilen und Klischees, wiedermal was für meinen richtig bösen, schwarzen Humor.

Auf dem Weg nach oben hilft kein weit’res Instrument Denn auch 40 Dudelsäcke ersetzen kein Talent


3. Der Meister
Jetzt zieht der Sound kräftig mit Tempo und Härte an, wie im Rausch hetzt der Meister durch dieses Lied, setzt gegen Ende noch nen kleinen ruhigen Part ein bis das Finale dann komplett in Lärm und schnellem Geschrei untergeht.
Wer jetzt mit diesem Meister gemeint ist kann jeder für sich selbst entscheiden, die Kirche, der Chef oder der Gesellschaftsdruck selbst, von der Wiege bis zur Bahre.

4. Rauschpfeife
Nach dem letzten Song wird kräftig herunter gefahren, mit der Rauschpfeife in einer gemütlichen Runde ausgechillt und so manches lustiges Kraut verpufft…
Weder Melodie noch Text treffen hier meinen persönlichen Geschmack, also spare ich mir weitere Kommentare zum „Kiffersong“.

5. Heiland
Kommen wir also zurück zu Themen die mir mehr behagen, nobody expects the Spanish Inquisition!
Mystisch und schleichend werden wir durch Nebeldunst und Fackelschein in das Gewölbe der heiligen Ordos der Kirche eingeladen, allmählich nehmen wir zwar fahrt auf doch bleiben eher düster während aus der Sicht des Inquisitors sein Werk verrichtet wird, langsam dem Machtwahn anheim fällt und sich letztendlich selbst für Gott hält.
Das Spiel der verschiedenen Abschnitte, je nach Zeile bedächtig oder auch aufbrausend machen hier einen grossen Reiz aus, die weiblichen Kyrie eleison Rufe dazwischen verstärken die Atmosphäre umso mehr.

6. Tanz für mich
Fröhlicher und lüsterner geht es dann wieder bei diesem Tanz in den Mai Song weiter, schneller Sound und mal ein lockeres Thema fächern die Bandbreite des Albums ein wenig auf.

Tanz für mich, um das Feuer immer wieder

7. Maskenball
Hier bekommt die Aristokratie bei diesen nicht wirklich jugendfreien Lied ihr Fett weg, ein wenig Rudelbumsen darf ja auch mal vorkommen, die Symphonie ist passend gehalten, baut sich zuerst langsam auf bis es dann zur Sache geht und auch textlich Hüllen sowie Scham fallen.
Der ausklang mit Violine rundet das ganze Lied ab und ebnet dann gleich den Übergang zum nächsten Stück.

8. Wach im Traum
Kleines Cell/Violinen Intro, schon geht’s vorwärts in den Wachtraum mit guter Begleitung, zwar ruhig aber doch mit Kraft und teilweise hektischen Parts erinnert das ganze genau an diese Momente im Halbschlaf, wenn man noch nicht weiss ob man Träumt oder bereits Aufgestanden ist.
Das Lied trifft die angestrebte Thematik genau, beschreibt textlich ein wenig ohne dabei zu genau oder sicher zu werden: Eben ein Wachtraum.

9. Berserkerwut
Diesmal eine komplett andere Form der Ekstase, der rote Schleier der Berserkerwut der früher oft von der Kriegern durch die Einnahme von giftigen Pilzen erreicht wurde, die sie zwar unempfindlich gegen Schmerz und Furcht gemacht haben, dem Berserker dann aber auch nach der Schlacht das Leben raubten woher die Legende des Einherjer Tranks entstanden ist, doch genug der Geschichtsstunde.
Mit Abstand der brutalste Song des Albums bei dem sich blutig in alter Heldentod Manier durch Reihen, Schilder und Menschen gepflügt wird,begleitet von einer harten aber auch finster gehaltenen Melodie.

10. Mondsucht
Willkommen beim Gänsehaut Teil, schon allein der Schlaf Kindlein Schlaf Auftakt mit Piano männlicher/ weiblicher Stimme lässt einem die Nackenhaare aufstellen, nachdem letztere noch einen Übergang zur Strophe bildet und der Sänger wieder übernimmt.
Wie man aus einem Kinderschlaflied so eine Horrorstory machen kann, da kann sich Freddy Krüger noch ne Scheibe abschneiden, aber bitte von keinem Bandmitglied denn die brauchen wir noch.
Ich bin mir jetzt nicht sicher welche Erklärung sich am Ende des Leides zusammenfügt doch so oder so fallen mit den ersten Sonnenstrahlen Tränen in die leere Wiege.

Der Mond ist aufgegangen, die schwachen Sternlein bangen
Und aus den Wolken dringt ein Fleh’n, oh möge diese Nacht vergehn
Kindlein, Kindlein habe Acht, der Mondmann ist erwacht.

11. Abgesang
Zum Abschluss noch ein langsames, trauriges Klagelied, dass melodiös getragen über einen Verlust berichtet und von mehr Instrument- sowie Summ-Parts geprägt wird als von Gesang.

FAZIT:
In Ekstase treibt den Zuhörer von einem Rausch in den nächsten, thematisiert Lust, Zorn, Machtgier, Angst, Trauer, Suff sowie weiteres und lässt einem dabei zwischen den Zuständen gleiten ohne eine Monotonie zu entwickeln.
Zwar nicht das wuchtigste Werk von Vogelfrey hat es eine Idee die funktionier, gut umgesetzt sowie facettenreich ist und selten Langeweile aufkommen lässt!
Dafür gibt es 7/10 Smiley Buttons auf der Zunge!

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