Soen und Madder Mortem im Gaswerk, Winterthur, 14.10.2017 19.10.2017 - von Bea Strasser

Ein Abend mit Soen und Madder Mortem, oder: Warum muss man vor Konzertbeginn die Bühne ausräuchern?

Während diesen Samstag gefühlt meine halbe Facebook-Freundesliste in Bülach an der Metal Night war, habe ich mich pünktlich um 21.00 Uhr beim Gaswerk in Winterthur eingefunden, um einen Abend lang wunderschön schaurig-sphärischen Progressive Metal von Soen und Madder Mortem zu geniessen.

Der kleine Saal des Gaswerks war knapp zur Hälfte voll, als Madder Mortem fast pünktlich mit ihrer Show loslegten. Ich hatte mich zwar schon im vornherein mit der Band beschäftigt, richtig warm werden konnte ich mit ihrer Musik aber nicht. Am Konzert wurde ich aber eines besseren belehrt. Frontfrau Agnete M. Kirkevaag hatte zwar ihre grosse Mühe, ein wenig Leben in die Truppe vor der Bühne zu bringen, der Auftritt der Band war souverän, die Songs waren gut und abwechslungsreich gewählt. Erst etwa in der Mitte der Show, als die Band zu „Resolution“ ansetzte, kam ein wenig Bewegung in die Menge. Sind wir mal ehrlich, Liebeslieder, mögen sie auch noch so düster und schräg sein, ziehen immer. Auch beim düstersten Metalhead. Für den Rest der Show schaffte es die Band sogar, ein wenig mit dem Publikum zu spielen und es entstand eine schöne, angenehme Konzertatmosphäre. Ich entschloss so für mich selber, dass ich der Band auch ab Silberling gerne nochmals eine Chance geben werde. Madder Mortem bot eine solide Show und versuchte auch, auf das Publikum einzugehen. Die Stimme der Frontfrau Agnete M. Kirkevaag ist live eine Wucht und hat bei mir für die eine oder andere Gänsehaut gesorgt.

Nach dem ersten Konzert ging auch mein Biervorrat zur Neige und ich nutzte die Pause dazu, mir an der Bar einen weiteren Hopfentee zu holen. Währenddessen hatte auch die Menschenmenge zugenommen und man merkte, dass viele nur wegen Soen zu diesem Konzert gekommen sind. Als ich kurz darauf wieder vor der Bühne stand, bot sich mir ein kurioses Bild: Die Bühne leer, bis auf ein riesiges Monster von Schlagzeug und davor ein Bühnenhelfer, der andächtig ein Weihrauchfass hin und her schwenkte und damit die Bühne ausräucherte. Durch eine Nebelmaschine verstärkt zog der Weihrauch-Geruch auch bald in die Menge und gab dem ganzen Konzert einen sehr mystischen Touch. Soen betraten die Bühne und damit begann eine Show, die ich noch lange in Erinnerung behalten werde.

Die Band hat kaum mit dem Publikum interagiert. Bis auf ein kurzes „Thank you!“ oder den Titel des nächsten Liedes, gab es von Soen knappe 90min nur Musik. Aber das war auch gut so. Die Distanziertheit, die Sänger Joel Ekelöf damit aufgebaut hat, gab dem Konzert noch eine zusätzliche Prise von Mystik und Intensität, die den Songs noch das gewisse Etwas gegeben hat. Spätestens nach dem dritten oder vierten Song hatten die Musiker jeden in der Halle in ihren Bann gezogen. Besonders hervorgetan haben sich meiner Meinung nach Markus Jidell, der die Songs mit seinen Gitarrensolos gekonnt verfeinerte sowie Sänger Joel Ekelöf, der die Menge mit seiner Stimme in denn Bann zog. Viel zu schnell war das Set der Band durch. Mit Tabula Rasa und Lucidity, zwei sehr starken Songs der Band, verabschiedete sich Soen und auch für mich war die Zeit gekommen und ich machte mich wieder auf den Heimweg. Ich werde den Abend aber noch lange in Erinnerung behalten.

Ob das Konzert nun sein Geld Wert war, soll jeder für sich selbst entscheiden. Ich muss sagen, dass ich alleine für Soen gerne mal wieder 30Fr. ausgeben werde. Madder Mortem als i-Tüpfelchen obendrauf waren eine gelungene Abwechslung zu meinem sonstigen Musikgeschmack. Sollten die beiden Bands wieder einmal in dieser Konstellation die Schweiz besuchen, werde ich sicher auch wieder am einen oder anderen Konzert anzutreffen sein.

Wer nun noch mehr über die Bands erfahren will, kann sich auf deren Facebook Site noch weiter informieren:

Facebook Page von Soen

Facebook Page von Madder Mortem