Miss Rabbit - Call Us And We Follow 10.01.2020 - von Simi Dörig

Wer diese Band durch Name, Logo und Girlband Klischee als soft abstempeln will, wird schnell merken müssen, dass Miss Rabbit es faustdick hinter den Löffeln haben!

Call Us And We Follow

Genau das war meine Einstellung, als ich im Oktober 2018 an die jährliche Geburtstagsfete meines Kumpels ging, bei der gewohnt die ein oder andere Band der härteren Schiene Auftritt:
„Miss Rabbit? Was haben sie denn diesmal eingeladen?!“
Doch wie schon vor 40 Jahren ein weiser Mann namens Tim sagte: «Well, that's no ordinary rabbit!»

Die Band aus Buchs SG wurde 2010 unter dem Namen Wotan’s Hasen gegründet, spielten Anfangs nach eigenen Angaben noch in niedlichen Outfits ein paar Coversongs vor.
Bald darauf wurde jedoch der Name zum heutigen Miss Rabbit geändert, worauf eine Karriere im Hoppelhasen Takt folgte:

2013 kam bereits die Debütscheibe Miss Rabbit, 2016 folgte das zweite Album Tales From The Burrow, welche ich beide nach dem Erwerb an genannter Party, ziemlich rauf und runter gehört habe.

Auch der aufgelistete Konzertkalender lässt ab 2015 einen vollen Plan mit ungefähr einem Dutzend Gigs pro Jahr einsehen, vor allem da in den Jahren 2018/19 kräftig Schweizer Girlpower nach Österreich und Deutschland exportiert wurde.
Dabei reden wir nicht von kleinen Hüpferchen über die Grenze, sondern von Auftritten in Hamburg und Berlin, vor allem aber die Gegend um Karlsruhe hat es ihnen letztes Jahr, unter anderem mit dem Soundcheck One Festival, sehr angetan.

Das Rockabilly-Häschen Logo wurde in der Zwischenzeit mal kurz unter das Beil gelegt und nur noch der Schädel davon als Zierde gebraucht.
Auch von den „niedlichen“ Anfangsjahren ist schon lange nichts mehr zu hören, wenn da überhaupt mal irgendetwas war, denn schon ab dem ersten Album waren die Songs rockig, direkt und unverblümt. Genau wie das Logo hat ihr Stil in der Wandlung einfach noch ein wenig Härte dazu gewonnen und die Texte wurden noch ein wenig dreckiger im Sprachgebrauch.

Seit der Gründung sind sie damit schon in der Formation der drei Frontfrauen Angela Bösch (Vocals). sowie der Schwestern Melanie (Guitar) und Fabienne Curiger (Bass) unterwegs.
Tatkräftig unterstützt werden sie dabei von Roger Köppel an einer weiteren Gitarre, der zuerst als Booker für Wotan’s Hasen agierte und dann fest in die Band einstieg.
Thomas Frei besetzt zudem seit 2012 das Schlagzeug, was eine feste Formation seit immerhin 9 Jahren bedeutet und dem geübten Zusammenspiel zugute kommt.

Kommen wir jetzt also zum dritten Album der Band, Call Us And We Follow dessen Titel sich nebenbei auf eine Zeile in ihrem Song Hangover bezieht. Dafür wurde auch extra ein altes Telefon zu einem Mikrophon umgebaut, welches wir dann auch Live auf der Bühne zu sehen bekommen sollen.
Hier gleich noch den epischen Pattentaufen Trailer dazu:



1. Stoned
Im Vergleich zu den letzten zwei Alben, beginnt es hier eher Melancholisch mit einem ruhigeren Tempo.
Stoned kann hier in Bereich von gelähmt verstanden werden, der Teufelkreis zwischen Selbstzweifeln und falschen Freunden, jedoch auch mit dem Wunsch alles hinter sich zu lassen und weiter zu machen.
Die eher gemütlichen Instrumente machen hier ihren Part zur Stimmung, auch der Telefon Verzerrer am Anfang bereitet ein interessantes Intro für das Album.

It’s like a vicious circle, Waiting for a miracle
Need somebody to talk about, There are things you can not live without

2. Reflection
Folgend auf den ersten Track, trifft uns jetzt direkt der Ausbruch aus dem melancholischen Kreis.
Der Song sprüht gerade nur so vor Energie und Rebellion, die Stimmung hellt sich auf, der Rhythmus geht schneller. Man will ab dem ersten „Whooo“ direkt im Takt mitwippen.

I’m gonna stand up to you and all the things you said
From now on I don’t wanna know, what’s in your head

3. Come On
Einer der… ich würde jetzt ja Liebeslieder von Miss Rabbit schreiben, aber meist gibt es von Ihnen nur auf’s Maul und den Laufpass.
Kurz zusammen gefasst will ein Typ, der von Angela ziemlich gut gesprochen wird, in einer Bar ein heisses Mädel aufreissen und wird von ihr dann ins Messer geführt. Er sollte zurückkommen, sobald er sich ein paar Eier hat wachsen lassen.
Mal die andere Abwechslung der Schnulzen, muss sagen gefällt mir mit den verschiedenen Stimmen und dem Twist ziemlich gut.

4. Socks Out
Das Musikvideo zum Album, richtig gut gemacht und ein versuchter Promotion Zweck für Emmi mit dem Milch-Kaffee. Doch zurück zum Thema, der Song beschreibt eine glückliche Beziehung die nur an einem hapert, SEINEN Socken, die man am Morgen auf der Couch sehen muss.
Mir gefällt hier vor allem der Wechsel zwischen den teils melodiös romantischen Strophen und den sch**ss Socken, die im Refrain heraus gerockt werden.
Auch das Zusammenspiel der Sängerinnen passt hier genau, zudem sieht man im Video auch mal etwas von den anderen zwei Bandmit(gliedern), die auf der Therapeuten Couch mit Socken und Emmi Bechern verprügelt werden.

It’s the same shit everyday after wild nights, See your ugly socks in the morninglight
So romantic how they are lying on my couch, Need a coffee before i fucking throw you out!



5. Discontent
Der Track beginnt mit dem Wählen eines Nummernschalters (Erklärung für Millennials) und der Stimmverzerrte Anruf bei einem alten Bekannten.
Wie beim ersten Song, wird hier wieder mehr auf Selbstreflektion um die namensgebende Unzufriedenheit zu bekämpfen, ein weiterer Motivationssong der es definitiv im Rhythmus hat.

6. Hangover
Jetzt geht es zur Sache, der härteste Song des Album beginnt so wie das Rock’n Roll Leben sein sollte:
Aufgewacht auf einer Bank, Hangover, Blut? Scheiss drauf, nicht meins und weiter geht’s mit Whisky zur nächsten Show.
Gesangswechsel in Gesprächen, Scheiss drauf und weiter machen Stimmung, sowie ein Sound zum Headbangen. Lemmy wäre Stolz!

Bad hangover, Don’t know where we are
All the time need a kick want be away so far
The whiskey did it well we got a lot livers to sell
Get ready for the show, We play for you kick ass rock and roll

7. 7 Deadly Sins
Der siebte Song ist von den wohlbekannten Sünden, jedoch weiss ich nicht was ich von jenem halten soll.
Von einem Typen, der vier der Sieben Sünden verkörpert und man will nicht so sein wie er.
Weder der Text noch die Musik überzeigt mich hier auf irgendeine Weise.

8. Move
Es wird weiter Gerockt, der Track fängt die Stimmung auf einem Konzert perfekt ein.
Schnelle Beats, Gitarren Solos, Rock’n f*** Roll der auch dafür steht, was die Szene bedeutet:
Mitsingen, Headbangen, sich einfach Austoben und nicht Verstecken ist die Botschaft, welche an der Release Party definitiv Ausarten wird! Spoiler: Nackenschmerzen

It doesn’t matter how you do it darling, Just move your body and then you get the groove alright
Let your hair fly to the beat or jump around cause music is all we need

9. Get Away
Als Abschluss gibt es nochmal einen Aufsteller Song, der die Thematik des Albums aufgreift und einem ermutigt, sein eigenes Ding zu drehen und an sich zu Glauben.
Schneller Beat, zwischendurch ein paar Gitarren Solos und wieder das Gefühl der Rebellion, bringen die Scheibe zu einem passendem Schlusspunkt.


Zusätzlich wären noch die zwei Live Aufnahmen auf dem Album vorhanden, jedoch sehe ich diese eher als Bonus an und nicht als Call Us And We Follow Material. Darum lasse ich sie an dieser Stelle unkommentiert, auch wenn sie eine gute Vorstellung davon geben, die die Mädels Live abgehen.

Fazit:
Wenn es so etwas wie emanzipierten Rock’n Roll gibt, Treffen Miss Rabbit damit voll ins Schwarze!
Typische Themen aus dem Genre vom anderen Ufer aus gesehen, Songs zum Nachdenken oder auch Headbangen, sowie ein eingespieltes Team aus drei Frontfrauen mit Background Unterstützung, bringen ein passende Abwechslung auf die neue Platte.
Female Fronted Cheering up Rock’n Roll mit Tiefgang, macht Call Us And We Follow zu einem Album das von mir 8/10 Killer Hasen bekommt!

Am Mittwoch 15. Januar wird es um 20Uhr eine Album Special Sendung auf Radio Hellvetia geben!

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