Metusa – Streifschuss 28.06.2017 - von Simi Dörig

Die Mittelalter-Gewänder verstauben im Schrank, die lange Spielmannsfrisur ist einem Army-Schnitt gewichen und so pirscht Metusa sich jetzt mit Tarnhosen, Dudelsack-AK und einem Streifschuss durch den modernen Grossstadt-Dschungel!

Streifschuss

Kaum eine Band die ich kenne hat sich die letzten Jahre so verändert wie Metusa!
Seitdem ich diese Anfang 2013 im Kula Konstanz für mich entdeckt habe, waren 11 Leute in der Gruppe aktiv, wobei mit dem Ausstieg von Verena jetzt nur noch 6 davon aktuell sind und neben Drummer Henne noch der Sänger Domenicus geblieben ist.
Letzteres ist auch der einzig verbliebene der Gründung im Jahre 2007 und hält das Projekt mit Tat und Energie zusammen.

Es ist nur natürlich dass sich bei so viel Besatzungswechsel die Musik auch mitverändert:
Einflüsse alter Mitglieder verblassen langsam und werden durch Ideen der Neuzugänge ersetzt und während andere Bandprojekte an so viel Wandel stagnieren oder gar zerbrechen, scheint Metusa sich darin entwickelt zu haben.
Klar wurde aus der Spielmannstruppe eine Folk n Punk Band was viele Fans der ersten MA Stunde vergrault hat aber auch neue Freunde und Möglichkeiten brachte.
Zum Thema Mittelalter – Punk Entwicklung gibt es einen sehr passenden Text von Domenicus dem Saitenreiter

Kleine Info: Jegliche Interpretation von Bildern und Texten sowie Anspielungen und Gründe der CD sind REIN MEINE MEINUNG und falls ihr findet ich liege damit komplett falsch, können wir das gerne im entsprechenden Facebook Post diskutieren, eure Meinung interessiert mich!

Kommen wir also zum neusten Werk von Metusa, einer EP genannt Streifschuss die knappe 15 Monate nach Dreckfresser erschien und die eingeschlagene Richtung von Metusa weiterführt, welche von mir ausgesehen mit Zahn der Zeit schon ein wenig von Mittelalter Richtung modernes Metusa mit Punk-Hauch ging und sich jetzt komplett heraus kristallisiert hat.

Auffallend ist natürlich das erste Titelbild von Metusa, dass nicht gezeichnet wurde und den Sänger Dominik in Rambo Pose mit passendem Stirnband, Tarnhose sowie einer Dudelsack-AK und Anonymous-Maske zeigt.
Im Hintergrund eine Backsteinmauer links mit Camouflage-, rechts mit Regenbogenfarben, dazwischen ein Anarchie Zeichen und rechts in Schablonenschrift STREIFSCHUSS.
Schon allein ohne die CD ins Laufwerk zu legen merkt man:
Hiermit will Metusa provozieren, sie wollen auffallen, aufrütteln, Flagge zeigen und demonstrieren dass sie schon lange nicht mehr die lustige Spielmannstruppe vom Mittelaltermarkt sind.
Die Symbolik (Achtung: Meine Interpretation) des Regenbogens steht schon lange nicht mehr für Gay-Pride sondern auch für Toleranz, der Anonyme (Maske) Rambo im Internet kann zwar mehrfach gedeutet werden, doch war sich der Sänger noch nie zu schade für etwas einzustehen und Hassreden auf Facebook Paroli zu bieten.

Jetzt aber die 6 Songs mit ziemlich Metusa untypischen Namen, wobei mir persönlich ein Booklet mit ein wenig Infos fehlt also schreibe ich eben frei Schnauze nach Gehör:

1. Löwenherz
Vorgestellt am Jahresabschluss war Löwenherz im Herbst schon eine Wucht, so beginnt die EP mit Gitarre, leiser Flöte und reinem Gesang bis dann die ganze Band musikalisch im Grossstadt Dschungel mitmischt und voller Energie loslegt.
Vom Sound her ein wenig schneller als noch bei Dreckfresser, liegt die Thematik hier bei einem zwar vernarbten, aber stolzen Löwen der sich trotzig durch das Leben Kämpft was sehr gut zu der Band passt.

2. Dresscode
Dominik hat mir mal noch gesagt dass er bei diesem Lied ein wenig mich im Kopf hatte, sei es Ernst oder aus Spass gewesen weiss ich gerade nicht aber mit dem Text kann ich mich einfach Identifizieren. (3 mal im Leben in ner Disco reichen mir mehr als genug).
Hier steht vor allem der Zusammenhalt der gleich gesinnten Gruppe im Vordergrund und das sich nirgends irgendwo einpassen oder zurecht zu biegen müssenm nur um dabei zu sein, weil man auch Spass haben kann so wie man ist!
An die eher rhythmischen Strophen mit fast schon Sprechgesang gewöhnt man sich nach ein paar Durchläufen, dafür fetzt der Refrain umso mehr.

Ich pfeife auf die Disco, verzichte auf den Club. Ich Feier wo ich will und scheisse auf den Dresscode!

PS: Dominik das mit Jessi lässt du gefälligst, ihr könnt nicht schon wieder ne gute Musikerin an ne Babypause verlieren ;)

3. Meister der Täuschung
Daher wohl die Maske auf dem Albumcover, ein schwerer und ernster ein Song über Selbstbetrug und Scheinbilder, mit Dudelsack Unterstützung und kleinem Elektro-Outro für mich der schwächste Song des Albums.

4. Deutschland
Schon im Vorfeld heiss Diskutiert, Stichwort „Enttäuschung des WGT 2017 Post“, sollte hier jedem klar sein das die Band sich auch politisch engagiert und nicht davor zurück schreckt, ein eher untypischen Lied darüber zu machen, was aber auch an Hüter der Meere erinnert.
Ob jetzt das Intro von Charlie Chaplin auch in der Live Version vorkommt oder überhaupt noch Urheber-Geschützt ist kann ich an dieser Stelle leider nicht sagen, obwohl in letzter Zeit von vielen Band gebraucht passt es hier einfach rein!

Klar ist nur das der Song eine klare Botschaft der Band und ihrer Einstellung zu Flüchtlingen darstellt und natürlich einigen sauer aufstösst, vor allem die Erwähnung von Dresden und Leipzig als „Nazi Aufmarsch Gebieten“ wird wahrscheinlich noch lange für explosiven Gesprächsstoff sorgen.
Ich selbst kann dies aus der neutralen Schweiz schlecht beurteilen, unterstütze aber den Song der zwar hart aber auch verdammt ehrlich rüber kommt und Metusa stand schon immer hinter ihren Texten!

5. Ninja
Jetzt wird es kompliziert und ich lehne mich mal gaaanz weit aus meinem Drachenboot:
Es hört sich so an als wäre dies hier eine kleine Abrechnung mit der MA Szene, allem voran dem MPS auf dem sie seit Ende 2016 nicht mehr auftreten.
Konkret geht es in dem Song mit viel Karate-Geschrei und rockigen Beats um eben einen Ninja, der zuerst einen Pirat, dann Ritter und zuletzt Nordmann in die Tasche steckt was so die drei Hauptsorten der am MPS gewandeten Besucher sind.
Obwohl ich zu letzterer Gruppe gehöre macht der Song bei ziemlich Laune und ich nehme das alles nicht so Ernst und würde gerne die Live Performance dazu sehen!

Anm. zum Thema am Ende des Berichtes.

6. Kein Weg zu Weit
Mein Highlight der CD, das fröhlich und doch mit einem ernsten Thema auffährt und einfach nur zum Mitsingen einlädt.
Trotz Schwierigkeiten und Gegenwind sitzen Metusa fest im Sattel und sind immer noch für (fast) alles zu haben was sie perfekt in ein Lied gebracht haben, das ist der Geist der Band die mich seit über 4 Jahren so fasziniert:

Uns war kein Weg zu weit, keine Strasse zu steil, kein Schnaps zu stark, kein Mädel zu geil.
Wir scheuten keinen Kampf, keine wilde Nacht, das Schicksal wird weiterhin ausgelacht!

Fazit:
Mit Streifschuss haben sich Metusa endgültig aus dem Mittelalter gelöst und ob man das gut oder schlecht findet ist jedem selbst überlassen.
Kritische Texte, harte Worte und doch das gewohnte Metusa Feeling dazu lassen die EP zwar aus dem Rahmen fallen, aber genau das war ja geplant!
Obwohl ich anfangs extrem Kritisch war, gefällt mir von 6 Liedern nur eines nicht, zwei finde ich gut und drei super also gibt es 8/10 Rambo Kopftücher!

Wer Metusa in Schweizer Grenznähe sehen will, sie spielen am So 16. Juli auf der Festungsruine Hohentwiel/Singen am Burgfest

Zudem feiert die Band am 28. Oktober ihr Bandjubiläum in Rottenburg!
“10 Jahre Metusa” Jubiläumskonzert 2017

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Anm. zum Mittelalter Thema:
Ich denke mir einfach dass die Band nicht erwarten kann modernere Musik zu machen und dann trotzdem weiter auf Markten für Spielleute aufzutreten, es ist zwar Schade da ich sie so weniger sehen kann, aber um zwischen Duivelspack und Streunern zu passen müssten sie aufs Maul sitzen, was sie definitiv nicht tun werden! (und auch gut so ist)
Das Thema lassen wir jetzt aber Ruhen, vor allem der Streit um den MPS Austritt wurde im Fanclub schon auf Kindergarten Niveau ausgetragen.