Lagerstein - 25/7 26.08.2019 - von Simi Dörig

Die Piraten von Lagerstein brechen auf zu ihrer epischen Quest, den Tag um eine weitere Trinkstunde verlängern zu können. Wird also 25/7 eine riesen Piraten Party oder Saufen sie sich auf den Meeresgrund?

Lagerstein 25/7

Götter, ich habe in meiner langen Metal/Mittelalter Karriere schon einiges auf der Bühne gesehen:
Epische Schaukämpfe, durchgeknallte Gossen Säufer, Pulveraffen, Mord und Totschlag, Mosh Pit anzettelnde Goblins und vieles mehr doch auf diesen Abend in der Met Bar Lenzburg konnte mich wenig Vorbereiten.
Im Herbst 2017 wollte ich mal wieder meine Kollegin mit ihrer Band Infinitas Live sehen, da ich die auch anwesenden The Privateer schon vom Aaargh 2015 kannte, schien mir das ein angenehmer Abend zu werden.
Doch schon als komisch angetrunkene Gestalten während der Vorbands auf die Bühne kamen, um den jeweiligen Musikern eine Dose Bier per Trichter reinzustopfen, dämmerte es mir langsam dass die (mir noch) unbekannte Hauptband ein wenig ausarten könnte.

Genug mit der Vergangenheit, denn derzeit befinden sich Lagerstein auf ihrer Endless Rum European Tour 2019, die sie im April mit den Aufnahmen im schwedischen Fredman Studio begonnen haben.
Seitdem ziehen sie von Festival, zu Konzerten und jeglichem Gelage, um jetzt in ihre 25/7 Release Headline Tour zu starten.

Die äussert durchgeknallt, sympathische Truppe Rund um Captain Gregarrr auf ihrer S.S. Plunderberg, weiss wie man eine Party schmeisst und auch die Leute auf Anhiebt überzeugt, das nur noch Beer Bongs und Shoeys durch die Menge gesoffen werden.
Ich will hier jetzt nicht zu weit ausholen und nur auf ihre genialen Live Auftritte Aufmerksam machen, die Truppe im Detail könnt ihr euch hier durchlesen, das ihre Flaggen ein Totenkopf mit zwei Trichtern ist, spricht jedoch schon Bände.
Zudem durfte ich die Jungs am Aaargh Festival 2019 noch Interviewen, obwohl einige der Infos mit dem Album Release schon hinfällig sind.

Leider kann ich euch an dieser Stelle nicht ausführlich über das Album Design Berichten, da sie sich bei den letzten zwei Stück richtige Mühe gegeben haben und anstatt eines Booklets, eine Schatzkarte mit den „Song Inseln“ beigelegt wurde, welche die Lyrics auf die Rückseite gedruckte hatte.
Diese Idee finde ich für eine Piraten Band einfach nur episch, jedoch muss ich hier nur mit den Audio Dateien, sowie einem Lyric Word Dokument Arbeiten.
Es wird eine Weile dauern bis ich dann meine Party Edition in den Händen halten werde, Australien-Schweiz ist bekanntlich die halbe Welt, vor allem wenn sich der CH Zoll wieder wie die Royal Navy anstellt.
Kann also eine Weile dauern, deshalb schon einmal der Bericht hier, mit ein wenig Zeit im Herbst werde ich dann die Physischen Eindrücke nachtragen.
Mit ein wenig mehr Zeit im Winter vielleicht sogar die ersten beiden Alben Reviewen, wenn ich schon so oft darauf verweisen werde.
Doch jetzt geht es nach einem kleinen Vorwort dann direkt zu den Songs!

Eines der Dinge, die ich so an ihren Alben so liebe, sind die nahtlosen Übergänge von einer Insel auf die nächste, was eine flüssige Piraten Odyssee quer durch lagersteinische Gewässer bietet.
Oft wird der nächste Track auch noch mit einem kleinen Zitat am Ende der Songs angekündigt, welche ich euch an den jeweiligen Stellen so gut wie möglich festhalten werde.

1. Midnight Moonshine
Sogleich nimmt die S.S. Plunderberg mächtig Flug* auf, es geht auch das dritte Abenteuer der Band zu! Diesmal ist es der Plan 25 Stunden am Tag zu Feiern und zu Trinken, also segelt man im Midnight Moonshine gen Westen, um dem Sonnenaufgang zu entkommen.
„Into the night sky, initiating our day. We drink and party our pirate way“ ist das Motto, wenn schon beim ersten Song dieses Albums die Kehle dürstet, kann man die kommende Party bereits auf der Zunge schmecken.
Vom Intro bis zum Outro, was den nächsten Song einleitet und für mich mittlerweile eines ihrer Markenzeichen ist, ein Party Lied nach Piraten Art!
*PS: Ja ihr Schiff segelt nicht, es fliegt! Dreaded Skies vom ersten Album erklärt euch das!

digging noieses Another one buried crew, it’s time for another Ale bottle opens

2. Dig, Bury, Drink!
Die erste Musikvideo Auskopplung bzw. auch der erste Sound des neuen Albums um die Ohren gehauen, war es zuerst ein wenig Gewöhnungsbedürftig.
Keyboard (nicht ganz sicher) und Violine dominieren das langsame Intro, bis dann Schlagzeug, Gitarren und Drums, die Kanonade dazu donnern und es sich trotzdem zu einem epischen Partylied aufschwingt.
Der Plan ist schnell erklärt: Wenn man auf jeder Insel ein paar gute Fässer ihres „Fountain of Rum“, (welche die Hauptquest des letzten Albums war) vergräbt, hat man auf der ganzen Welt immer irgendwo Vorräte zum Party machen.
Simpel, Clever und fast so episch wie die Jagd nach dem One Piece, genehmige ich mir jetzt auch nen Schluck, reinige den Klappspaten und warte bis meine Nachbarn klingeln, was zur Hölle ich da im Garten verbuddelt habe.
DIG, BURY, DRINK!


3. The Wild West
Wer der Sonne weiter entfliehen will, landet unweigerlich irgendwo im wilden Westen und trifft dort auf alte Feinde.
Die Piraten, denen sie im ersten Track des ersten Albums den Rum geklaut haben, Sinnen auf Rache und haben sogar einen kleinen Einzeiler während des Songs.
Das Keyboard gibt hier den Ton an, episch bleibt es auf jeden Fall und mindestens „The Wild West“ sollte jeder Live noch mitlallen können.

Captain, your shoes are a cactus made. It’s nearly shoey’o clock and you can’t drink out of those!
I had these shoes since I was 16 and drank off my right boot, every day since!

4. Shoey Song
Als kleine Fan Challenge haben Lagerstein die Fans aufgefordert, 100 Shoey per Video oder Bild zu Posten. Bei diesem handelt es sich um (laut Aussagen im Interview mit ihnen) ihre Methode, die australische Kultur nach Europa zu bringen.
Willkommen zu einem kleinen „How to do a Shoey“ Guide:
Rechter Schuh ausziehen, mit einem alkoholischen Getränk füllen, wahlweise Anstossen, den Schuh leer trinken und als Salut zur Crew, mit der Öffnung nach Oben auf den Kopf stellen.
Das sieht euch zu kompliziert aus? Kein Problem, denn alle diese Fan Shoey wurden von Lagerstein zu einem Crew Musik Video zusammen geschnitten, ohne jene zu Fragen, also eigentlich mit geklautem Bildmaterial… verdammte Piraten!
Der Song selbst gibt richtig Gas, lädt sogar die biedersten Leute Live zum Nachmachen ein und ist jetzt schon einer meiner Lieblings Party Songs.
„We drink, we drink, we drink from our shoe, Fill it up to the brim with the finest kind of brew
We drink, we drink, we drink from our shoe, Slam it down, wear the crown and salute the crew“


5. Drink of the Pirates
Jetzt geht es um die Wurst bzw. den Rum, eine Hymne an das piratigste Getränk ever!
Eingängiger Rhythmus mit Gesprächs Fetzten und Bridges angerührt, kommt dieser Song als richtiges Piraten Getränk rüber, zwar nicht gerade der Hit aber trotzdem ein super Lied.
Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie sie genau das Einschussloch im Rumpf, mit Rum gestopft haben.

6. Pina Colada Paradise
Ich gebe zu, ich war zuerst einmal sehr schockiert von diesem Lied, ich liebe Drink Till we Die, aber muss so eine Reggae Sunrise Schnulzen Song sein?
Ja muss es, denn nach mehreren durchhören gibt einem dieser Song genau die Pause, die Träumerei und die Entspannung, die man hier in der Mitte braucht. Die weibliche Background Vocals geben dem ganzen die abgerundete, gechillte Island Stimmung und bei der Bridge sogar noch einen wundervollen Kontrast zu Gregs Pirrraten Stimme:
"It’s creamy, it’s white and cold, It’s worth more than a bar of gold
I think we’ll stay a while as , as there’s far too many drinks to be had"

7. Wench My Thirst
Wenn wir schon in Romanzen Stimmung sind, geht es gleich zwar mit mehr Schwung, jedoch auch vergleichsweise gemütlich weiter.
„Girl, no one can pull a beer quite like you And girl, I’ll never drink another’s brew“ kann man hier Interpretieren wie man will, ein Schelm wer Böses denkt. Auffallend ist vor allem das Saxophon inkl. Solo, was ziemlich zur Abwechslung des ganzen Albums passt.
Trinken, Weiber (Wench ist ein altes Wort für die weibliche Tavernen Bedienung) und noch mehr Saufen, was kann dabei schon schief gehen?

Captain, what did that wench do to you?
I don’t know and where the hell are we?

8. Off the Map
Langsames Intro und dann gleich die passende Ansage: „Holy shit, we’re off the map!“
War ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis diese Crew sich mal komplett Verfahren hat, was auf der Schatzkarte bestimmt auch gebührend Dargestellt wird (sollte oder so, ihr wisst ja, Lieferzeiten).
Es wird wieder härter Angepackt, mehr Riffs, Drums und alles was es halt so braucht, wenn man einen epischen Song benötigt, während man gerade von der Landkarte stürzt.
Für mich eines der Ohrwürmer der CD, wenn auch leider wahrscheinlich das Ende des Albums, oder?
“Our days of partying and piracy aren’t dead”

wing noises What’s that Polly? You can save us? parrot croak And you like beer bongs? What kind of parrot are you?

9. Party Parrot
Diesmal will Polly nicht am Arsch eurer Mama Knabbern (kleines Scary Movie Zitat) sondern den ganzen Tag nur Party machen.
Ein weiterer, ihr ahnt es schon, Party Song, wenn von mir gesehen auch eher der schwächste des Albums.
Die Power geht wieder rauf, der Text ist witzig aus der Sicht des Party Parrot erzählt aber trotzdem werde ich mit ihm nicht gerade… voll! Mal schauen was sie Live mit der „Let me see you flap“ Sequenz wieder anstellen werden.

10. Aqua Bong
Mythisch mit Power geht es weiter, erinnert mich schon fast ein wenig an das Sunset on the Golden Age Intro von Alestorm.
Die Textzeilen von:
"Aqua Bong
Awaken from the depths of the ocean, for the sun needs your pipes to be open
Rise up as these words have been spoken, now the spell is broken! Come forth!"
Erinnern mich schon ein wenig an Awaken von Dethklok, doch ich Schweife schon wieder ab.

Sie haben also den legendären Aqua Bong auf dem Grund des Ozeans, nahe dem Erdkern gefunden und werden diese heilige Reliquie zurück an die Sonne geben, was ein weiteres episches Lied mit allem gebührenden Lagerstein Sound darstellt.
Man sollte an der Stelle einfach noch erwähnen, dass es dieselbe Sonne ist, die sie bei Harpoon the Sun schon mal im Meer versenkt haben, damit sie die ganze Nacht saufen können.

Aqua Bong, Aqua Bong, Aqua Bong…
sluuuuurp wuuuuuheeey
Aaaawwh, it’s been sixty-five million years since I had a beer bong, thank you Lagerstein! FFor your grand gesture I bestow upon you an extra hour a day to party, for the rest of eternity!
Every single day?
Yes, my son!
Thanks… Sun!

11. 25 Hours
Jetzt wird Party nochmals extra Gross geschrieben, wenn man schon 25h am Tag dafür hat!
Ein richtiges Party Lied, bei dem ein Crew Mitglied nach dem anderen nach demselben Ritual sich sein eigenes Lieblings Getränk einverleibt und die Zeilen dafür immer ein wenig angepasst werden.
Das hat zwar einen typischen Schlager-Sauf-Song Rhythmus, lässt sich aber deswegen sehr gut Mitsingen und wer Lagerstein kennt, weiss worauf er sich hier Einlässt.
Ein riesiges Fest zu Ehren eines abgeschlossenen Quest‘s und eines epischen Albums:
WE’RE ALL GOING TO PARTY, FOR 25 HOURS TONIGHT!

12. A New Day
Dieses Lied dient eigentlich nur als Filler, mit einem Lagerfeuer, Möwen, Vogelgezwitscher und dem rauschen der Wellen. Also die akustische Untermalung, wenn man sie vorstellt wie Lagerstein nach 25h Dauersaufen, halbtot an einer Küste eingepennt sind.
Doch irgendwer erwacht aus dem Koma und wittert etwas.

Bundy, do I smell bundy?

PS: Land of Bundy war die Endstation auf dem vorletzten Album und eines meiner Lieblings Songs.

13. Down Under
Als Abschluss gab es auf dem ersten Album schon ein Cover von The Lonely Island - I'm On A Boat, an dessem Ende sie noch Slocken the Rum zu Fucking your Mom umdichteten und als Hidden Track noch, ein Einhorn Lied anhängten. Why? Because they can!
Beim zweiten Album wurde, zu meinem Grauen, das Fliegerlied (So Ein Schöner Tag) gecovert, von dessen Ballermann Party Version ich noch immer nen erhöhten Puls bekomme.

Dieses Mal haben sie mit Men At Work - Down Under eine piratige Version des 1981 erschienenen Rock-Reggae Klassikers geschaffen, der sich textlich mit ihrer australischen Heimat befasst.
Dies wurde auch noch kurz vor Album Release auf YouTube gestellt, also könnt ihr euren vergleich selber ziehen, ich finde es auf jeden Fall super!


Fazit:
Was der neuen Lagerstein Platte an Härte fehlt, machen sie mit Abwechslung und der eingesessenen Stimmung mehr als Wett!
Eine durchgeknallte Geschichte, viel Humor und musikalische Experimente, die jedoch nie den typischen Lagerstein Charme verlassen, machen das Album zu einer Art Pirate Metal Version von Pirates of the Caribbean.
Einfach mit massiv mehr Alkohol und definitiv nicht FSK12, bekommt die neuste chaotische Kaperfahrt der australischen Beer Bong Piraten 22.5/25 Stunden von mir! (9/10 Punkte, wer nicht Rechnen kann) :P

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