Knasterbart - Perlen vor die Säue 08.12.2019 - von Simi Dörig

Die vierte Charge der Gossenjungs, kippt uns seine knasterperlende Schweinsbrennerei mit zarten 48% Vol. in den Rachen.

Perlen vor die Säue

Die sieben Rinnstein Schnorrer aus der Bände Knasterbart legen nach Sauf mich schön!, Branntwein für Alle und Superknasterbart ihre vierte Symphonische Schnaps Destillation nach.
Die Neuauflage von Sauf mich Schön ist ja nur die ein Neuaufnahme des ursprünglichen H_otze Knasterbart_ Albums, das mit zwei Zusätzlichen Liedern Fummelfips gemixt wurde, also einen Malted-Schnaps und keine neue Brennerei.
Ihre ganze unschöne Eisprunggeschichte könnt ihr in meinen Vorherigen Reviews nachlesen, neu ist jedoch, dass sie den Rest ihrer jämmerlichen Lasterseelen, neben diversen Schankwirten als Pfand, jetzt an Napalm Records verschachert haben.
Wieviel Bratensauce es genau braucht, um sich bei einem der grössten Metal Labels der Welt einzub...eischlafen, kann ich vielleicht in einem Interview auf der kommenden Eisheiligen Nacht Tour klären. Jedoch werden sie sich beim Label, zwischen Alestorm und Korpiklaani, in guter Trinkgesellschaft befinden.
Der Vorteil einer Plattenfirma ist jedoch, dass man sich nicht mehr selbst um die Vermarktung seiner eigenen Misstöne kümmern muss, sondern man die Möglichkeit hat ganze Limited Editions mit unnützen Schund füllen zu lassen, um damit sein luxuriöses Weltrockstar Leben zu finanzieren:
Weitere Beschreibungen dieser Ausuferungen, findet ihr bei Gosse im Herz des letzten Albums.
So bekommt man neben einer "Knasterbart in die Fresse" Zahnbürste, einem "Sauf dich schön" Flachmann gegen das Single Dasein, auch noch ein süsses Schweinenäschen, mit dessen Hilfe man ein Meet & Quiek mit den zwei Obergossenlungen Hotze und Fummelfips gewinnen kann.
Das Design ist wieder liebevoll als Schnapsbuddel mit entsprechender 48 Spielminuten/ Umdrehungen dahingerotzt worden, jedoch diesmal für kleine heranwachsende Gossenkinder mit bunten Perlen und einem Sauger versehen. Auf dem rückseitigen Beipackzettel dieses Gossen-Quacksalbertrunks, steht neben den liederlichen Zutaten, auch noch die Herstellung des Gebräus, welche ich mal frech abgetippt habe:

Diese extra-perlige Promilletrunke wurde nach uralter, (zurecht) längst aufgegebener Tradition in einer Schweineblase destilliert und schmeckt am besten zu überfahrenem Reh oder filetierter Meerjungfrau.
Eine symphonische Notschlachtung der Folklore, die den Charme eines flüssigen Koteletts, mit der unnachahmlichen Note von vergorenem Blumenkohl vereint.
Musikalisches Gammelfleisch für die Ohren, das wie erwartet lieblos in den Jahren 2018 und 2019 in den von Farida und Principal Studios in die ungewaschene Flasche gepresst wurde.

Bei der Produktion sind Tiere zu Schaden gekommen.

1. Perlen für die Säue
Die Türe des Stalls aufgestossen und pfeifend die nächst Songperle in den Trog der quiekenden Schweinemassen gekippt.
Nach diesem tierischen Intro fahren die Jungs zur gewohnten Gossenhauer Hochform auf und liefern neben fidolinem Gegeige, hackigem Akustik Gitarrengepeter, schrammiger E-Gitarre, klapprigem Stuhlbass und knüppligem Trommelgeknalle, auch ein lyrisches Meister-Destillat der beiden Vorkrächzer Hotze und Fips.
Statt im Opernhaus auf adlige Gönnerohren, prasselt diese Perle leider nur auf die besoffenen Hörorgane irgendwelcher Rinnsteinpenner: Prost auf uns an der Stelle.
Dass sich Knasterbart an dieser Verschwendung ihres Talents stören, ist das Hauptthema des Songs und doch bleibt ihnen die Erkenntnis, dass es wohl an ihnen liegt und sie nehmen müssen, was sie kriegen können.
Spätestens wenn das Schwein musikalisch von der Violine abgepasst ein wenig Versengold gibt, hat man den Start des Albums schon in seine Leber geschlossen.
Zudem könnten sie damit definitiv mit einer anderen niveauvollen Band auf Tour gehen, die dieses Jahr auch die Sau rausgelassen hat.

Alles Perlen vor die Säue, all der Feingeist für den Arsch
Alles Herzblut ab in’n Gulli, aber macht ja trotzdem Spass
Ihr habt und zwar nicht verdient, doch wir halten Euch die Treue
Man nimmt halt was man kriegen kann - alles Perlen, Perlen vor die Säue

2. Ringelpiez am Kiez
Schon im Sommer 2018 wurde dieses schlammig fröhliche Tanzlied als Single veröffentlicht und auch Live auf der Bühne getorkelt.
Edel mit Klavier-Geklimper eingeführt, wird es alsbald Dreckig und lässt ein weiteres Gossenhauer Partylied vom Stapel, mit Rhythmus, Mitgröhl Refrain und einer eigenen Choreografie:

Ein Schritt vor und zwei zurück, genau so wie im Leben
Und dann dreht euch im Kreise, zum gemeinsam Übergeben
Also schwankt nach rechts und schwankt nach links – oder umgekehrt
Dann die Flasche an den Rachen und mit einem Zug geleert

3. Kneipenschlägerei
Zurück in ihrem Lieblingsetablissement Klunkerklause, knallt dieses Knüppel Lied nicht nur mit dem Musikvideo aufs Auge, sondern gleich auf von Anfang an auf das Trommelfell.
So widerlich wie die Videopremiere des Albums, Prügelt sich diese Banjo Hinterwäldler angehauchte Kneipenkeilerei zum Ohrwurm und verringert das Tempo nur für eine Comic-Soundeffekt Aufzählung der Geschehnisse.
Nebenbei sitzt Fummelfips auf der entsprechenden Lyric Seite des Booklet im Rollstuhl, was aber eher auf die Verletzung kurz vor der Abschaumparty Tour Anfang des Jahres zurückzuführen ist, von welcher auch alle anderen Fotos im Heftchen stammen.


4. Backpfeifensonate in d-Moll
Eine der typischen Instrumental-Nachspielereien der Band, quasi die Melodie Kippe nach dem Sexgeschrei, bei der sich vor allem Fidolin wieder richtig in seinem Element austoben darf.

5. Bambis Mama
Eine richtig ungewohnte Naturballade der Knasterbärte, das ich sowas noch erleben darf/muss.
Das Intro wird direkt aus einer Szene des Disney Klassikers Bambi abgespielt: "Mama, Mama", "Du musst nicht mehr auf deine Mama warten".
Ruhig orchestral und mit Klavier vorgetragen, greift Hotze ausversehen in die Natur ein, indem er auf ein Kätzchen tritt. Beim Versuch diese Störung der Nahrungskette zu beheben, begehen die beiden selbsternannten Naturschützer einen kompletten Waldgenozid, dessen Melancholie nur einmal durch Kriegsdonner und Kettensägen unterbrochen wird, sowie am Ende im Tod von Bambis Mama mündet.
Hierbei wird vor allem dem älteren Semester ein Kindheitstrauma wieder hoch kommen und es bleibt nur die Frage offen, ob Micky Maus weiss dass die Bande Audiospuren von ihm klaut.

6. Gib dich auf
Ein (De)Motivations Song ala Knasterbart, denn da unten am Rinnstein, da kann man noch Mensch sein.
Definitiv ein melancholisches Stück, das zwar mit Selbstironie in eine zynische Kerbe schlägt, jedoch aber auch ein wenig etwas für die eher verregneten Tage bleibt, an denen man nach einem gescheiterten Date, mit Kater im Bett erwacht. (oder mit Fips, wen es ganz mies läuft)

7. Laich mich ein
Auf das niederschmetternde folgt ein karibischer Liebessong, der genauso viel Romantik wie Fischgeruch mitbringt. Auch schon länger im Live-Programm, kann man sich diese Vergewohlnötigung von Arielle, endlich in gewohnter Knasteralbum Qualität geben.
Der karibische Hurley Flair trommelt einem direkt in den Rhythmus, der Text ist sogar noch nen paar Flossen versauter als sonst und die EndrülpsPointe schiesst endgültig den letzten Blauwal ab.
Das dazu erschienene, wenigstens bildlich für Kinder gerechte, Muppet Show Musikvideo, gibt allem noch den endgültigen Liebesspritzer.


8. Muss-ketier
Eines meiner Persönlichen Highlights, Knasterbart haben vom neuen Musketier Trend gehört und wollten nun auch ein Stück vom D’Artagnan Kuchen abhaben.

Wir schwankten bei Gleichschritt sofort aus dem Tritt, dann macht euren Scheiss doch zu Dritt
Einer für alle! Das kannst‘ doch nicht bring’n, Alle auf einen! - ist mehr unser Ding

Schon allein die Melodie Anspielungen und diverse Zeilen wie:
"Lieber allein in der Kneipe und breit, als in die Schlacht Seit an Seit“ bringen mich nur zum Lachen.
Ich hoffe einfach Ben Metzner hat den Song vorher abgesegnet, denn bei der letzten Bandbelästigung von Kein Erbarmen, stand im Booklet wenigstens eine Info für die Streuner Fans drin.
Nur das Muss/Müssen, Kann/Können – ketier Wortspiel, finde ich für ihre Verhältnisse ein wenig einfallslos.

9. Gossenglocken
Eine Ballade über die Sterblichkeit von Hotze, wie es aussieht bröckelt auch der bestens gepflegte Tempel irgendwann einmal.
Da fühlt man sich gleich wieder auf die ersten Alben zurück versetzt, da der ganze Text ein wenig an das Ende vom Heiligen Hotze erinnert, sowie Erwähnungen von Lotta und Horst enthält.
Eine Prise Gossenweisheiten, gemütliche Trauermelodien und trotzdem genug dreckigen Humors, bei dem man noch ein Grinsen im Gesicht hat:
So etwas schafft auch nur diese Band auf einer Trauerfeier.

Und erinnert euch an meine Formel für das Glück
Kotzt das Leben dich mal an, kipp dir ein' rein und kotz' zurück


10. Tanz nach meiner Pfeife
Jetzt denkt auch schon Fummelfips ans Abtreten, denn seine alte Hundelunge pfeift aus den letzten Tabaklöchern und er wird bestimmt bald im grossen Aschenbecher liegen.
Da es sich aber um ein Tanzlied handelt, geht es rasanter ab als bei Hotze und lädt ein das Tanzbein zu schwingen, solange man noch eines hat.
Lässt sich einfach nur zu hoffen, das Fips besser Pfeifen kann als sein Cousin Hurley letztens auf der karibischen Weihnachten. (Leviathan Tour Spoiler)

11. Geboren um zu sterben
Das Abtreten Thema, tritt sich auf dem Ende des Albums ein wenig sehr breit heraus, diesmal jedoch als „Kinderlied“ für die ganze Bande.
Mit Kinderstimmen darf jeder einmal mitkrächzen, begleitet von einer Spieluhr und dem (glücklicherweise) ersten und einzigen Katzensolo der Musikgeschichte, soviel zu: Es kamen Tiere zu Schaden.
Ein Lied, das so manche Kinderaugen zum Leuchten bringen wird, solange sie den FSK16 Text noch nicht verstehen werden. Interessant hierbei ist vor allem die Ursprünge der verschiedenen Charaktere, wie z.B. das Leckermäulchen Lotta (Später bekannt als Leckere Lotta) als hübsche Nachbarin oder Kalle der immer nur Verhauen wurde und somit zu Knüppelkalle wurde, der auf dem Branntwein Album alle in die Tonne knallt.
Abgeschlossen wird dann nach dem spontanen Stimmbruch, auch wieder mit den gewohnten Hundelungen Stimmen der Jungs.

Eines Tages wird’s schon werden, steh’n uns alle Türen offen
Sind geboren um zu sterben, in der Zwischenzeit besoffen


12. Herzchen im Schnee
Dieses Lied hat bei der Musikvideo Veröffentlichung vor 2 Jahren, The Season's Upon Us als mein liebstes Weihnachtslied abgelöst.
Mit süssen Weihnachtsglöckchen und motiviertem Flötensolo, das Tante Emma an Heiligabend stolz machen würde, ein Lumpenherz erwärmendes Lied über die scheinheiligen Branntweihnachten.
Die Nächstenliebe in der Gosse wird durch die Triangel gepurzelt, Hotzes Mama hat ein Combeback und jede Geschichte braucht doch einen kleinen Timmy, dessen Krücke am Gulli festfriert.
Dazu die Top motivierten, fröhlichen Weihnachtsgesichter von Hotze und Fips, sowie die erotische Performance von Knasterkind Eike (Heute auch bekannt als Purple Otten), lässt sogar bei einem Grinch wie mir ein klein wenig Feiertagslaune ins Herzchen einfliessen.
Damit wünsche auch ich euch bald eine besinnungslose Branntweihnachten und…

Vielleicht sollt ich mal jemanden zum Trunk einladen
Vielleicht sollte ich ausnahmsweise einmal baden
Vielleicht kippe ich mir in meinen heissen Rum sogar ein bisschen Tee
Und pisse euch ein Herzchen in den Schnee!


FAZIT:
Eine schweinischer Spass sowie eine neue Perle im Gossenhauer Repertoire, führen Knasterbart ihren lyrischen Feingeist in gewohnter Manier weiter und schrecken nicht davor zurück, ihre Fans, MPS Kollegen oder Disney auf die Schippe zu nehmen.
Der Humor ist wieder einmal weit unter der Gürtellinie, während die Hose beim Pissen sowieso schon wieder in den Gossenschlamm rutschte, was zwar nicht jedermanns Sache ist, jedoch für Fans der Unsittlichkeit wieder ein Fest bietet.
Musikalische Abwechslung im Rinnstein Stil, freundschaftliche Seitenhiebe in 5 Himmelsrichtungen und das promillegefüllte Herzblut der ganzen Knasterfamilie, bekommen von mir 9/10 Schweineperlen!

Die Perlen vor die Säue Special Sendung findet am 11. Dez von 20-22Uhr auf Radio Hellvetia statt!

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