Infinitas- INFERNUM 26.11.2019 - von Simi Dörig

Nach der Zerstörung ihrer Stadt, zerren uns Infinitas weiter in die Hölle und schwingen sich musikalisch zu infernalen Höhen auf.

Infinitas Infernum

Zweieinhalb Jahre sind ins Land gezogen, seitdem Infinitas ihr Debüt Konzeptalbum CIVITAS INTERITUS veröffentlicht haben, wobei INFERNUM der direkte Nachfolger ist, was dessen Geschichte angeht. Dies soll nebenbei erwähnt, letzten Endes als Erde/Hölle/Himmel Konzept Trilogie vollendet werden, also darf man jetzt schon auf das nächste Album gespannt sein.
Ich werde hier nicht die Bandgeschichte erneut aufrollen, sondern auf dem ersten Review aufbauen und euch vor allem die letzten zwei Jahre zusammenfassen:

Nach einigen Wechseln und Ausstiegen, besteht Infinitas aus dem Kerndreier Andrea (Vocals), Selv (Guitar) und Piri (Drums), welche die Band seit einigen Jahren stets nach vorne Treiben. Laura stieg vor der Produktion von CIVITAS ein, nachdem sie vorher schon einige Zeit Live auf der Bühne stand, ging Anfang 2019 jedoch wieder. Ihren Part an der Geige übernahm seitdem zuerst aushilfsmässig Savannah, die im Sommer dann glücklicherweise auch fester Bestandteil der Band wurde.
Nur der Bass bleibt leider ein kleines Sorgenkind und wurde seit dem Weggang von Martin Telli im Januar, durch diverse Session Shredderer überbrückt, namentlich u.a. Marcel „Camel“ Koller, der das Instrument im Studio eingespielt hat. Jedoch sucht Infinitas weiter nach einer festen Besetzung der Position!

Neben diesen kleinen Problemchen, konnte die Band jedoch stetig aufbauen und einen Erfolg nach dem anderen verbuchen:
Ihre Single Skylla schaffte es 2018 auf Platz 19 der Schweizer Charts!
Dieses Jahr durften sie als Opener der Eluveitie - Ategnatos Release Show aufspielen, wurden an die Metal Days in Tolmin eingeladen und gleich wieder für 2020 bestätigt!
Zudem teilten sie die Bühne mit einigen Namen wie Alestorm, Butcher Babies, Burning Witches, sowie letzte Woche mit Heidevolk das Gare de Lion in Wil.

Der Sound aus Melodie und Härte lässt sich spätestens seit diesem Album nicht mehr in eine Schublade stecken, sie selbst bezeichnen sich einfach nur noch als Melodic Metal, wobei man nach meinem Geschmack noch eine gute Prise Death und Thrash in den Topf werfen kann.
Andrea’s Stimme wechselt von schönem Gesang zu Growls, genau wie auch die übrigen Bandmitglieder zudem ab und zu die Backing Vocals beitragen.

Das neue Album schliesst direkt an der Geschichte von CIVITAS INTERITUS an, in der ein namenloser Held, in der von Infinitas geschaffenen Welt von Lunatris, aus seiner von Dämonen zerstörten Heimatstadt über das Meer flieht, nur um im infernalischen Land von Antahkarana (Hindu „die innere Ursache“ weiteres im Link) zu landen.
Das ganze Album Cover und vor allem das Booklet sind Albtraummärchenhaft gestaltet und die Landkarte auf der ersten Seite, könnte man als DLC von Brütal Legend vermarkten.
Die einzelnen Lieder sind wieder als Chapters gelistet, verkörpern diverse Wesen aus verschiedenen Pantheons, welche ich euch ein wenig erklären werde.

Der arme Tropf, der seine Stimme von Piri erhält, wird wie schon im Vorgänger musikalisch über die ganze Karte gehetzt und verbindet somit den Fortlauf der Odyssee dieses liebevoll gestalteten Konzeptalbums, dessen Stationen ich auch bei den einzelnen Songs einbringen werde.
Auffällig sind bei INFERNUM die langen Intros, welche jedoch als extra Tracks abgeschnitten sind und so eine flüssige Geschichte im Album selbst bilden, jedoch wegfallen falls man die Hauptlieder extern in eine reine Song Playlist einfügen möchte.

And so the journey continues…

Chpt. I Afanc
Seit dem Vorgänger immer noch im Meer treibend, beginnt das Album mit einem Seeungeheuer der walisischen Mythologie.
Das Intro dauert mit über 2min ein wenig lange, baut aber an Spannung auf und geht dann musikalisch härter rein.
Leider finde ich die Screams von Frontfrau Andrea in den Strophen eher Flach, der Refrain kommt aber mit der gewohnten Infinitas Power daher.
Textlich auf die wunderschöne, jedoch tödliche Kreatur abgestimmt, könnte man es schon fast auf eine Linie mit Daisy Jones der Pulveraffen setzen.
Jedoch stört mich die letzte Minute aus Schreien ein wenig, was zwar von der Geschichte her passt, jedoch alles auf 8min hinzieht.

Chpt. II A Manifested Nightmare
Das Textintro des Helden, fast in der Klauenbucht absaufend, mit Wellen und Gegurgel in „guetem altem Schwizerdütsch“ Geflucht, jedoch im Booklet auch noch auf Englisch vermerkt:

Stärnähagel, frdannta huära Schissgegel.
Cha nüme schwimmä ga undr, süüchäib.
Wo chami widrha, da log da. ah ladett!
I ha gwüsst dasmi das huärä Boot nüd is Paradies bringt
Abr abr… vrdammt!

Chpt. III Antahkarana In Flames (Avnas Prelude)
Eines der erwähnten Intros: Das Land in Flammen bietet ein Einspiel aus u.a. Klavier, Harfe und Cello, welches auch im Musikvideo von Avnas zu hören ist und passend beim Vulkan Conos spielt.

Chpt. IV Avnas
Nach dem melodiösen Vorspiel, wird jetzt richtig reingehauen und Andrea donnert nach einem kurzen Intro gleich los!
In der Mythologie ein Dämon in Feuergestalt, besteht der Track aus dem inneren Feuer, das die Band antreibt und genau diese Energie bringen sie in 4min richtig zur Geltung. Meist mit Growls und Screams unterlegt, bietet er im letzten Drittel noch einen eher melodischen Abschnitt.
Zudem lieferte er Mitte September auch das erste Musikvideo zum Album, dessen Bandszenen im Muotathal gedreht wurden. Die Geschichte rund um das Leben eines Jungen, der lieber seinem eigenen Feuer anstatt den Regeln seiner Sippe folgt, entstand jedoch in einem kleinen Dörfchen in Polen.
Die Lyrics zum Song findet ihr in der Beschreibung, außerdem mag ich den Blitzschlag am Ende des Videos.

One dream, one fire – we burn everything down
we fight together for one big cause.
Storm, thunder, sickness, we defeat it all
We are Infinitas, revolution of Lord Avnas.
Of Lord Avnas, firelord Avnas


Chpt. VI Utukki
Savannah’s einziger Introtext auf dem Album, leitet Captain Skourpt’s (Anlehnung an Skorbut) Tagebuch ein, welches sich zwischen einem Schiffswrack und einer Ruine mitsamt Katakomben befindet.
Das Intro deckt sich ein wenig mit der ersten Strophe und handelt von einer Gruppe Seeleute, die sich auf die Reise zu einer neuen Welt und Hoffnungen machte, mit nichts zu verlieren außer ihrem Leben.

Bald darauf macht sich jedoch diverse Seuchen auf dem Schiff breit, welche von den babylonischen Krankheitsdämonen Utukki verursacht werden.
Hier fällt eher die derbe Sprache der Dämonen ist Gewicht, welche sich die Lyrics mit den Warnungen des Captains abwechseln und in den jeweiligen Passagen musikalisch Unterstrichen werden. Durchgehen ein Lied mit Power und Hass, Unterstützen die Background „DIE DIE DIE“ Vocals von Piri und Selv einige Stellen nochmals zusätzlich.

Infect yourself with the Pleage! DIE DIE DIE
Succumb to your disease! DIE DIE DIE

Chpt. VI INFERNUM Overture (Lilith Prelude)
Ein weiteres Intro auf dem Weg von den Ruinen zum Schloss Arcis Noctis, gespielt mit Cello, Violine und diversen Blasinstrumenten, erinnert es ein wenig an den Imperialen Marsch aus Star Wars.

Chpt. VII Lilith
Ein viel gebrauchter Begriff in diversen Mythologien und Religionen, wird Lilith hier als Königin der Hölle besungen.
Entsprechend finster wird der Song auch durch Growls, Tod, Verderben und eher eine drückende, bedrohliche Stimmung der Instrumente geprägt.
Umso mehr stechen somit die einzelnen, ruhigen Stellen mit klarem Gesang von Andrea durch, was den Song mit 9min zwar etwas Langatmig, dafür auch Abwechslungsreich und zu einer meiner Lieblinge auf dem neuen Album macht, denn „Lilith will burn you down…“

Chpt. VII Rahu
Nach dem ruhigen Ausklang vom letzten Track, folgt ein überraschend ruhiges Stück namens Rahu, welches an Halloween als Musikvideo veröffentlicht wurde.
Komplett ruhig und mit klarem Gesang, ist dieses Lied eine riesiger Kontrast zum Rest des Albums, gibt ihm jedoch auch mehr Vielfalt anstatt fehl am Platz zu sein.
Wie im super gemachten Video gut zu sehen, handelt es vom Verlust eines geliebten Menschen, wobei einige Stellen leicht Kitschig sein können (rein persönliche Meinung), während vor allem Savannah’s Geige hier der Leitfaden des Stückes ist.
Jedoch entfällt mir ein wenig der Bezug auf den Dämonen Rahu, welcher mal abgesehen von seiner Jagd auf den genannten Mond, nicht viel mit der Geschichte zu tun hat.


Chpt. IX A Starless Universe (Tiamat Prelude)
Das nächste Intro, welches mit mystischen Tönen etwas länger als die anderen ist, jedoch den kommenden Track passend einleitet.

Chpt. X Tiamat
Geographisch beim Baum des Lebens Kartographiert, erwartet uns hier ein Duett mit Chrigel von Eluveitie, das wohl im Zuge der Ategnatos Release Show Entstanden ist.
Er und Andrea wechseln sich hier zwischen den Harten und melodiösen Stellen ab, während seine Growls jedoch auch im Refrain ihren Gesang überschneiden. Das erinnert mich von der Konstellation her ein wenig an Ablaze von Hedera.
Ich brauchte jetzt eine Weile, um hier den Sinn der Geschichte zu verstehen, versteckt sich doch ein umweltpolitischer Song dahinter.
Tiamat als babylonische Schöpferin ruft ihren Sohn an, mit seinem Treiben aufzuhören und Aufzuwachen, seinem Missbrauch an ihren Gaben zu beenden.
Da Gaia (Mutter Erde) nach ihr Schreit, will sie zurückkehren und ihr Königreich wieder auferstehen lassen, bevor ihr Sohn sein eigenes Ende verschläft.
Der Sohn, der blind mit seinen Maschinen alles niederreisst und nur sein eigenes, leidvolles Ende herbeiführt, ist der Mensch.

Chpt. XI Vadatajs
Im Wald treffen wir nun also auf den lettischen Dämonen Vadatajs, welcher unserem Helden auflauert um ihn in die Irre zu führen.
Genauso gehetzt und verloren beginnt der Song auch, mit falschen Entscheidungen und Sackgassen. Der Wald ist hier jedoch eine Metapher für das das Leben und baut im Verlauf immer mehr auf Selbstbestimmung auf, was sich auch musikalisch jede Minute mehr durchsetzt.
Die verunsicherte Stimme wird fester, härtere Klänge und Growls lassen die Furcht verschwinden und schließen so das Höllen Album mit einem starken Blick auf die Zukunft ab.

Chpt. XII The Seeker Of Truth
Das Geschichtliche Outro des Albums und ein kleiner Hinweis auf die nächste Geschichte von Infinitas, auf die wir gespannt sein können!

Da isch d Höll! Raff di uf! Tami Siäch, nuäisch, spinnsch etz gad flätt! Nomdi zämä! Chrüüzherrgozjämmerlis!
Ez gibmr ä Pung is F¨dlä und nimmi zämä, alls odr nüt! Ich wot alls! Voll und zwar flätt! Och wott nämis ändära.
Huh! Was lüchtäd det änä äso… was tüüflschäibs chönt das sii?
Sölli ächt det drii ga luägä was det isch…?

Chpt. XIII Consultus (Memoria I)
Das Musikalische Outro auf dem Klavier gespielt und noch ein wenig mit Cello und Synthesizer gewürzt, ein schöner Abschluss des Konzept Albums, das auf der Karte beim Seelentor endet.

FAZIT:
INFERNUM schließt nahtlos an seinen Vorgänger CIVITAS INTERITUS an, wird mit 13 Tracks jedoch stärker als Konzeptalbum ausgeschmückt. Durch die Trennung der Intros und Songs hat man auf der CD zwar eine durchgehende, liebevoll gestaltete Geschichte, kann diese dann aber auch ohne viel Mühe auf die 7 Hauptsongs reduzieren.
Egal ob als reines Melodic Death Album oder als infernalische Odyssee, beides funktioniert hervorragend und zeigt weiterhin die Stärke von INFINITAS:
Weiblichen Gesang, melodiöse Geige, eher nicht mehr so weibliche Growls, harte Riffs und Drums in einen Liedertopf zu Werfen und daraus abwechslungsreiche, mythische Geschichten zu Brauen. Neu Gewürzt mit Metaphern auf aktuelle Themen, bekommt das neue Album ausserdem eine Prise Lebensweisheit eingehaucht, sowie von mir 9/10 Höllentore!

Die Album Special Sendung wird am 4. Dez von 20-22Uhr Live auf Radio Hellvetia gesendet!

Die Album Release Party findet am 7. Dez in der Hall of Fame Wetzikon statt!

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