Feuerschwanz - Das Elfte Gebot 28.06.2020 - von Simi Dörig

Es war einmal ein Ländelein, da kam der Hauptmann hinein. Er sprach: "Corona geht um, so höret auf das Elfte Gebot und lebt als wartet morgen der Tod“

Das Elfte Gebot

Wir schreiben das Jahr des Herrn, Anno Domini 2020. Seit nun mehr als 3 Monden wütet eine Plage über dem Land: sät Einsamkeit, Verzweiflung und Angst in den Herzen der Menschen.
So berichte ich euch hier in meiner abgeschiedenen Aett, gewappnet mit einem gut gefüllten Horn Met, über einen Lichtschimmer in diesen dunklen Tagen.
Eine Truppe angeführt durch einen legendären Hauptmann, bringt uns kurz nach der Sommersonnenwende ein neues Kapitel aus ihrer Saga: DAS ELFTE GEBOT gebietet euch zu leben, feiern und die Trübsal für einen Abend in den Keller zu sperren.
Doch wer ist er, dieser Hauptmann Feuerschwanz? Metvernichter, Hohepriester des Hammers, Messias oder doch nur ein unanständiger Bengel?

Die Raubritterbande Feuerschwanz, gegründet im Jahre 1204 (2004 nach unsanktionierten Quellen) hat sich von der einstigen J.B.O Mittelalter Spass Band, zu einer Metal Band mit Power entwickelt.
Der ursprünglich infantile Humor wich zwar nicht weniger Spass, dafür aber manchmal ernsteren Themen. Des Hauptmanns geiler Haufen steht mittlerweile eher am Rande, während sich Metalheads beim Schubsetanz liebevoll die Köpfe einschlagen. Der Met Konsum ist… eigentlich weiterhin ungebrochen auf dem guten, alten Metvernichter Level.
Nur der Wechsel des kleines Flammen-Schwänzchen Logos stört mich ein wenig, denn diese zusammen gedrückte, eckige Version ist ein wenig verstörend, obwohl ich selbst vor allem aus der Metal Szene stamme.

Ich will euch jetzt nicht mit den alten Geschichten langweilen, für Interessierte kann ich euch jedoch mein erstes Album Review Auf’s Leben empfehlen, welchem dann unweigerlich, wie der Kater nach dem Suff, Sex Is Muss und der Methämmer folgen mussten.

Zusammengefasst wurde die Band, bösen Zungen nach, erwachsen, was zwar ein riesiges Loch in die Schabernack Wand von Burg Feuerschwanz gerissen hat, in diese Lücke wurde jedoch eine Ladung Power Metal Epicness gerammt, wie Grond in das Tor von Minas Tirith.
Spätestens nach dem 11OA - "Das Elfte Gebot" Albumrelease Online Open Air am Freitag, zeigt sich welche Pfade die Band eingeschlagen hat, und dass unter der harten Metal Rüstung immer noch das Herz wahrer Metvernichter schlägt.
Auch die Zwischenspiele der Show bezeugen noch den Humor der Band, sei es mit der Death Metal Schubsetanz Version (Götter, bringt den Song als Download), die als legendäre «Wie macht man Wacken» Version (oder ganz Ursprünglich Löwenzahn) aufgereiht wurde.
Natürlich auch das sehr authentischen Feuertanz Festival Camping Morgen Intro, als alle über J_arne Hodinsson_ drüber steigen, während er da beim Zelt Eingang flach gelegt… liegt… ihr wisst was ich meine. Mir ist auch schon seit Auf’s Leben aufgefallen, das die Kirche Thematik von Feuerschwanz wurde, was vor allem an B_en „Hodi“ Metzner_’s christlicher Kindheit liegt, wie er mir im Interview auf der Sex is Muss Tour verraten hat. Witzig, dass in diversen Interviews die letzten Wochen vermehrt das gefragt wurde, worauf der langsame Schweizer schon vor 4 Jahren angestossen hat.

(Persönlicher Part, kann man eigentlich Auslassen)
Jenes erwähnte, jetzt schon legendäre Online Album Release, hat die Messlatte für die Corona geplagten Online Events auf die Turmspitze der Burg Abenberg gehoben. Ich hatte selten so viel Spass, Suff und Freude an einem Abend in meiner kleinen Aett. Gute Kumpels, selbstgebrauter 20% Met (welcher diese Zeilen antreibt, Grüsse an den Spender) und eine Show die sogar meine Nachbarn gefeiert haben müssen. Highlights waren die, zugegeben aufgenommenen, Einschaltungen von Mr. Hurley, Malte von Versengold, Vito C von J.B.O und den Typen von Schandmaul und Hämatom während Metfest. Auch die Zuschaltung von Melissa Bonny (Female Swiss Metal Power) während Ding und vieles mehr, werden für mich diesen Abend unvergessen machen.

Bevor ich jetzt noch elendiglich weiter ausschweife, wenden wir uns aber endlich dem Elften Gebot hin. Leider kann ich an diesem Punkt nur auf die Streaming Dateien zugreifen, eigentlich arbeite ich am liebsten mit dem Booklet und den diversen Extras. Die Pest hat jedoch die Lieferkette von Napalm Records (bei denen Feuerschwanz Mitte 2019 unterschrieben haben) befallen und somit verzöget sich die Ankunft meines Fanbox Albums.

1. Meister der Minne
Langsam mit epischen Tönen beginnt das Album, Prinz Richard Hodenherz III präsentiert sein Stimm/Sinnes Organ mit voller Pracht.
Auch das esoterische In/Outro trägt ein wenig zur Stimmung bei, während der Text sich die typischen Feuerschwanz Liebeleih bezieht, wenn auch etwas gesellschaftlich angepasster als früher.

2. Metfest
Der Party Hit wurde schon auf der gleichnamigen 15 Jahre Tour dargeboten: Feuerschwanz in seiner ganzen, harten Pracht!
Das passende Video wurde als Erstling des Albums schon Mitte März (pünktlich zum Lockdown) veröffentlicht und fasst für mich die Stimmung eines Konzertes perfekt zusammen. Hauptmann und Hodi geben sich abwechselnd die Ehre am Mikro, während mit Pfeifen, Gitarren und Schlagzeug in Metal Manier geschreddert wird.
Jedoch der Zwischenteil mit „Und sind wir müde, alt und Weise“ Part erinnert mich mit der Tonlage ein wenig an die Knasterbart Ironie, welche dann im Musikvideo passend ihre Kneipenschlägerei im Abspann einspielen.


3. Das Elfte Gebot
Der Titeltrack kommt ungewohnt ernst daher, und das sogar noch vor dem Pestausbruch, als er auf YouTube erschienen ist.
Die Religion der 10 Gebote wird durch das Elfte gekippt, denn dieses gebietet einfach nur zu Leben. Die Truppe kommt im Musikvideo zerschlagen daher, die Nackenhaare stellen beim Intro auf und die Metal Schiene wird endgültig in den Lauf gerammt.
Man kann die Botschaft der Band eigentlich bei diesem Lied mit der Armbrust festnageln: Kein Gott, keine Gemeinde wird über euch richten, sondern nur Gevatter Tod, so lebt für euch und hebelt die ersten 10 Gebote aus!
Außerdem finde ich das Necronomicon passend mit "Es ist nicht tot, was ewig liegt, Bis dass die Zeit den Tod besiegt", denn der Cthulhu Kult ist einfach immer gut.


4. Kampfzwerg
Kriegt gerade einen feuchten Bart Da Feuerschwanz gerne die Geschlechter ansprechen, haben wir hier den Song für die Männer (Bart gilt als Voraussetzung).
Klar, man kann hier ein wenig die Klischee-Keule schwingen, jedoch macht mir der Song einfach Spaß und ich will wieder „Die Zwerge“ Reihe von Marcus Heitz durchsuchten.
Bärte, Hopfen-Smoothies, Met und epische Riffs, nur das Fehlen einer Axt macht mir hier Sorgen.
Anm. d. Red: Kann sein dass ich hier als bärtiger, gerüsteter Schmied in den Schweizer Alpen ein wenig voreingenommen bin.

5. Im Bauch des Wals
Der ernste Part des Albums, ich schwanke gerade noch zwischen religiöser oder Öko-Botschaft.
Kann sein, dass ich hier einiges verpasst habe, zwar kein schlechter Song, jedoch etwas das ich nicht direkt zu meiner favorisierten Playlist hinzufügen würde.

6. Mission Eskalation
Darauf hin schlägt es wieder nach alten Tagen aus, es könnte Schubsetanz Version Zwei sein.
Die Eskalation mit Anspielungen auf das römische Reich, reisst mich auf dem Album nur bedingt mit.
Klar, live wird es eine (thank you, Captain Obvious) Eskalation geben, jedoch hier einfach im oberen Durschnitt der Liga des Mets mit ein wenig Exkommunikation.

7. Schildmaid
Nachdem die bärtigen Männer ihren Song hatten, bekommen die Maiden in Hauptmanns geilem Haufen ihre Hymne. Ich musste da direkt an eine Kollegin denken und auch ihr werdet bestimmt ein Weibsbild im Kopf haben, der ihr nur semibedingt im Kampf gegenüber stehen wollt.
Thematisch drückt hier wieder mehr die nordische Mythologie durch, was ein Indiz der Pagan Metal Szene ist, während Feuerschwanz früher eher glaubensunabhängig das Mittelalter besungen hat.

8. Malleus Maleficarum
Ach alte Götter, der verdammte Schinken steht schon seit Jahren in meinem Regal und ich kam nie über die ersten 20 Seiten, weil es so fanatisch mühsam geschrieben ist.
Wir reden hier über das Hasswerk der katholischen Kirsche schlechthin, den Hexenhammer.
Historische Hintergründe könnt ihr gerne selber googlen, aber niemand erwartet die Spanische Inquisition! An dem Punkt penetriert einem die Ablehnung der Band gegenüber der Engstirnigkeit der Kirche, wie das Rad eure Wirbelsäule.
„Seit Anbeginn der Zeit“ muss ich jedoch revidieren, denn 1487 A.D ist ein wenig mitten drin, das Lied kann aber wiederrum als Nachschlag des Hexenjagd Songs vom Auf’s Leben Albums gewertet werden.

9. Lords of Powermet
Die letzten ihrer Art, von einem Imperium bedroht und nur überlebend durch einen geheimen Zaubertrank.
Kann bitte jemand die Bilder der Hodi/Hauptmann Kreuzung zu Asterix/Obelix aus meinem Kopf löschen, egal in welcher Konstellation.
Vor allem Ben holt hier in den Screams noch einiges heraus, wieder sehe ich die Parallelen zum Methämmer Titeltrack. Die Power Metal, Metvernichter Vereinigung erreicht hier ihren Höhepunkt und es gefällt mir ehrlich gesagt ziemlich gut!

10. Totentanz
Es wird wieder finsterer, fällt musikalisch nicht wirklich auf, baut aber die Botschaft des elften Gebotes weiter aus.
Ehrlich gesagt hab ich den Song ein wenig übersehen, bis ich mich auf den Text konzentriert habe, denn dieser ist einfach besser gelungen als die Melodie selbst.
Ein wenig Knochengeklapper, ein paar gute Bridges, aber für mich jetzt eher so im unteren Bereich des Albums.

11. Unter dem Drachenbanner
Normal wird zum Banner des Hauptmannes gerufen, der im Genre obligatorische Zusammenhaltssong kommt zwar mit einigen Klischees daher, jedoch passt er perfekt zur Historie des geilen Haufens.
Bei Kampfzwergen, Einhornreitern, Blutelfen und weiterem, schliesse ich kurz meine Augen und reise zurück in eine lange MPS Geschichte.
Denn unter dem Backdrop (Banners) der Hauptmannes, habe ich schon mit einigen Gestalten gefeiert, die ich sonst nie irgendwo angesprochen hätte.
Ein würdiger Abschluss dieses Albums, ich würde hier fast schon ein zusätzliches Fanvideo im LARP Dorf Event empfehlen.

XXX Die Sieben Todsünden
Ich fasse die Bonus Disc hier einfach ein wenig zusammen: Einige Lieblingssongs der Künstler wurden in ein Folk Metal Gewand gedrückt. Ich verweise hier einfach schon allein auf den Titel, eine sündige Auswahl an Songs die sie aus reinem Spaß raus gedonnert haben.

  • Ding von Seed: Die Erwartungen waren bei dem Song niedrig, dafür um so grösser die Überraschung was Feuerschwanz daraus gemacht hat. Rein als eine witzige Metal Variante betrachtet, Überzeugt vor allem das Musikvideo aus dem LARP Dorf und natürlich der erst aufreizende, dann Berserker mässige Part von Melissa Bonny, richtige Swiss Female Metal Power halt.
  • Hier kommt Alex von den Toten Hosen zählt ja auch zu den Klassikern der deutschen Punk Szene, welche als Folk Metal Version anfangs melodisch rüber kommt, dann aber eher spezieller klingt mit den harten Metal Elementen und den typischen Feuerschwanz Instrumenten
  • Die Amen & Attack Premiere gab es ja während des 11:0:A Streams und hat die Axt der neuen Feuerschwanz Richtung noch weiter in die Powerwolf Kerbe getrieben. Dies sieht man schon alleine am Album Cover (Selber Zeichenkünstler).
  • I See Fire von Ed Sheeran hat ihnen den Weg in den ZDF Fernsehgarten geebnet. Vielleicht für viele das Highlight des Elften Gebotes, für mich ein nettes Cover eines schnulzigen Künstlers. Solange ein paar Dutzend Ahnungslose sich das Album in Erwartung einer Sheeran Cover Band gekauft haben, habe ich etwas zu Lachen und sie hören endlich einmal gute Musik.
  • Gott mit uns ist das Sabaton Cover und es rutscht für mich irgendwie hindurch. Es stört nicht, aber ist auch nicht wirklich erwähnenswert. Da habe ich bei der Pumping Iron Power Performence letztes Jahr bessere Erinnerungen, wie Hodi mit den Grailknights einen Joakim Brodén mimt.
  • Das Limit von Deichkind gefällt mir persönlich jetzt so gar nicht. Sie geben aber an, die Band als Vorbild zu nehmen, was Live Auftritte angeht.
  • Engel von Rammstein gehört zu deren alten Legenden, genau so haben FS das in ihr Folk Metal Gewand gepackt. Ruhig, episch und vom Hauptman mystisch vorgetragen, hat es einen eigenen Reiz.


Fazit:
Mit diesem Album haben Feuerschwanz die Hochburg des Fantasy Metals gestürmt, die Themen gehen in Richtung nordische Mythologie mit Kirchenkritik, während die Musik am Power Metal vorbeischrammt. And Helheim yeah, I like this heresy!
Eine sehr spezielle, jedoch passende Mischung die entweder auf Verachtung oder erhobene Hörner (an)stossen wird. Meine Bifröst Brücke zwischen dem Mittelalter und der Metal Szene haben sie auf jeden Fall gefestigt und so ergeben sich 8/10 Powermet Trinkhörner!

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