Draconian - Sovran 28.11.2015 - von Julian

Die (neue) Schöne und das Biest…

Gespannt habe ich auf Sovran gewartet. Denn einerseits ist das letzte Album bereits fast 4 Jahre zurück - und: es gibt Neuigkeiten bei den Schweden von Draconian: Es ist das erste Album mit Heike Langhans (bekannt durch ihr Projekt :LOR3L3I:), der neuen Sängerin aus Südafrika. Ich werde hier jedoch auf Vergleiche verzichten – hört selbst, wer euch besser gefällt.

Das schleppende Intro stellt den Anspruch von Draconian klar: Wir sind Doom-Metal – denn die Musik ist langsamer als noch auf „A Rose for the Apocalypse“ und stärker Rhythmusgetrieben. Im ersten Song „Heavy Lies The Crown“ werden neue Wege beschritten. Die Musik funktioniert phasenweise auf ein paar wenige Einsätze von Melodie und Gesang reduziert (wobei die Stimme von Langhans wunderbar hinterlegt ist) und fährt mit Streichern und einer breiten Wand aus Gitarrenriffs und schleppendem Drumming auf. Auch die Growls von Anders Jacobsson begeistern mich von Anfang an. Es ist ebendieses Wechselspiel der klaren, verträumten Frauenstimme mit dem gutturalen Gesang von Jacobsson, welche Draconian schon immer für eine düsterromantische Grundstimmung à la „Die Schöne und das Biest“ prädestiniert hat. Und auch mit Heike Langhans funktioniert dieser Effekt wunderprächtig – und öffnet auf diese Weise auch „Grunzhassern“ die Türe zu dieser Band.

Die Kompositionen sind hervorragend ausgearbeitet und bieten von Song zu Song schöne Abwechslungen. So wabert dem Hörer in einem Moment ein schwarzer Schwall melancholischer Gothic-Melodien in die Ohren, welcher schon Sekunden später (von sphärischen Keyboards begleitet) in einen treibenden Doom Metal-Donner verwandelt wird.

Leider empfinde selbst ich als geneigter Hörer von Draconian den Sound des Albums zwischenzeitlich als etwas zu filigran, zu zerbrechlich – der Fokus lag wohl mehr denn je auf dem Gesang.

Fazit und Anspieltipps

Sovran ist ein starkes Album, das durch die lebendigen Kompositionen immer wieder fesselt. Dabei haben es Draconian geschafft trotz Tausch der Sängerin ihrem Stil treu zu bleiben. Heike Langhans macht einen starken Auftritt und harmoniert besonders im Duett mit Anders Jacobsson. Leider bleiben die Instrumente durchweg einen Tick zu sanft. Besonders gut gefallen haben mir neben der generellen musikalischen Entwicklung (und dass es dabei immer noch unverwechselbar nach Draconian klingt) das gesangliche Duett bei „Rivers between us“ und die Kompositionen von „Dishearten“, sowie „No lonier Star“.

Homepage der Band

Wikipedia

PS:

Bei der Recherche für dieses Review fiel mir ein Name immer wieder auf: Daniel Arvidsson – also recherchierte ich über die betreffende Person und stelle fest: er ist Mitglied bei Mammoth Storm, über die ich vor kurzem im Zuge der „Tour of the Glenn Carrig“ mit Ahab berichtet hatte und gehört zu meinen Facebook-Freunden. Offenbar macht’s im Doom Metal jeder mit jedem und jeder spielt überall mit – ich wusste davon im Vorfeld nichts. Nur falls ihr euch wundert, warum ich immer wieder über dieselben Personen schreibe.